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Die Revanche bekommen

Volkswagen war schon 1987 mit dem Bi-Motor Golf „Pikes Peak“ unterwegs

Hauptdarsteller einer Story um Material und Millisekunden, um Staub und Schotter, um Power und Präzision: der Jochi Kleint und der VW Golf – gemeinsam witterten sie 1987 Höhenluft beim spektakulärsten Bergrennen der Welt: „Pikes Peak International Hill Climb“, Colorado, USA. Start in 2.862 Meter Höhe, auf 4.302 Metern das Ziel. Im Mittelpunkt: ein Golf mit gleich zwei Rennmotoren und sein Team als Gipfelstürmer. Vor 30 Jahren bestand der Großteil der Privatstraße zum Pikes Peak noch aus Schotter, da „brauchst du Traktion, Traktion, Traktion“ wissen Experten.

Eine maximale Leistung von je 326 PS (240 kW) liefern die beiden Reihen-Vierzylindermotoren im Golf, bekannt aus dem damaligen Golf GTI 16V. Allerdings modifiziert, angeblasen von je einem Turbo und versorgt von Digifant-Einspritztechnik. Die Idee dahinter war einfach: Du kriegst doppelte Leistung und den Allradantrieb noch dazu. Aufgrund der speziellen Renngetriebe wurde die Einbaurichtung von quer auf längs verändert und versenkte beide Triebwerke so, dass ein optimal niedriger Schwerpunkt erreicht wurde. Und eben die perfekte Gewichtsverteilung von 50 zu 50. „Das alles brachte natürlich ein enormes Gewicht in den Golf“, erklärt Jochi Kleint beim Rundgang um den restaurierten „Pikes Peak“-Golf. Aber durch den leichten Rohrrahmen sowie die Front- und Heckmasken aus Kunststoff ist das wunderbar kompensiert worden.

Los, Jochi, rein sitzen – das lässt sich Kleint nicht zweimal sagen: Flink und gelenkig gleitet der ehemalige Rallye-Europameister in den knallengen Sportsitz, der ihm auch im Alter von 70 Jahren noch wie angegossen passt. Kippschalter umgelegt, prüfender Blick auf die Anzeigen im kargen Renn-Dashboard, dann der Schlüsseldreh. „Brrrbabappabada-Braaaahhh!“, brüllt der offen gelegte Frontmotor des „Pikes Peak“-Golf. Als der Motorlärm erstirbt, steigt Jochi Kleint breit grinsend aus. Und auch, wenn es 1987 nur 200 Meter vorm Ziel aufgrund eines technischen Defekts nichts wurde mit Platz eins am Pikes Peak, haben sie die uneingeschränkte Sympathie des Publikums gewonnen. „Eine Revance wäre schön gewesen“, sagt Kleint. 2018 wird sdie Revanche umgesetzt: Am 24. Juni 2018 war Kleints Rennfahrer-Kollege Romain Dumas mit dem rein elektrischen Rennfahrzeug I.D. R Pikes Peak in Colorado Springs am Start. Das Ziel ist die Erprobung neuester Technologie für die Serie – und endlich ein Sieg beim „Race to the Clouds“.