„Wir haben das beste und breiteste Angebot in unserer Geschichte“

„Wir haben das beste und breiteste Angebot in unserer Geschichte“

Modellpalette komplett aktualisiert – VW Bulli wird dieses Jahr 75 Jahre

Wir sprachen mit Dr. Lars Krause, Mitglied des Markenvorstands Volkswagen Nutzfahrzeuge für Vertrieb, Marketing und Aftersales

DIE AUTOSEITEN im Gespräch mit Dr. Lars Krause, Mitglied des Markenvorstands Volkswagen Nutzfahrzeuge für Vertrieb, Marketing und Aftersales

DIE AUTOSEITEN: Herr Dr. Krause, die E-Mobilität ist auf dem deutschen Markt sehr stark ins Stocken geraten. Wie stellt sich Ihr Unternehmen dieser Situation?

Dr. Lars Krause: Wir sind mit den Auftragseingängen, auch für unsere E-Fahrzeuge, sehr zufrieden. Sicherlich entspricht das nicht den Planungen, die wir mal ursprünglich vor einigen Jahren gehegt haben, aber in Summe können wir stolz auf unser Wachstum sein. Dieses liegt gegenüber Vorjahr bei den Auftragseingängen des ID. Buzz bei fast 80 Prozent. Zu verdanken ist das unserer Angebotserweiterung. Seit 2024 gibt es den ID. Buzz als GTX, Sieben-Sitzer, Allrad sowie den ID. Buzz Pure, unser Modell für unter 50.000 Euro.

DIE AUTOSEITEN: Wie sieht die Absatzplanung zukünftig aus?

Dr. Lars Krause: Unsere Strategie ist, die komplette Flotte auch elektrisch anzubieten. Ein wichtiger Schritt ist jetzt der neue Transporter, den wir Anfang 2025 in Deutschland in den Markt einführen, der mit allen Motorvarianten zur Verfügung stehen wird, als Diesel, als Plug-in-Hybrid und auch als vollelektrisches Fahrzeug. So können wir jedem Kunden das richtige Modell anbieten und haben ein weiteres E-Fahrzeug in die Flotte aufgenommen.

DIE AUTOSEITEN: Ist der deutsche E-Mobilität Markt, symptomatisch für europäische Märkte oder ist Deutschland ein spezieller Markt?

Dr. Lars Krause: Die Entwicklung ist sehr unterschiedlich. Wir haben Märkte, die bereits in der E-Transformation ein Stück weiter sind und heute schon mehr E-Autos verkaufen als Verbrenner. Das Paradebeispiel dafür ist Norwegen, das eigentlich schon ein fast vollumfänglicher Elektromarkt ist. Dort ist übrigens der ID. Buzz Cargo der meistverkaufte Transporter mit mehr als 3.900 Stück. Ein weiteres Beispiel ist Dänemark und jetzt folgen die Niederlande, da durch die Veränderung der Besteuerung gerade bei Nutzfahrzeugen ab dem 1. Januar 2025 hier ein enormer Schub in Richtung E-Mobilität vollzogen wird.

Der neue ID.Buzz GTX

DIE AUTOSEITEN: Sie haben 2024 ein Feuerwerk an Neuigkeiten auf den Markt gebracht und werden Anfang 2025 weitere neue Modelle bringen. Wie wird der Handel dies verkraften, mit so vielen neuen Modellen?

Dr. Lars Krause: Wichtig ist, dass wir den Handel auf die Reise mitnehmen und das haben wir natürlich frühzeitig getan. Der Handel hat die Markteinführung über die letzten Jahre sehr intensiv begleitet und wir haben den Handel dabei begleitet. Ich glaube, das ist ganz, ganz wichtig. Und der Handel freut sich natürlich auch, dass wir jetzt in 2025 die beste Produktpalette aller Zeiten bereitstellen können. Unsere Strategie ist es, die komplette Produktpalette auf den letzten technischen und technologischen Stand zu bringen – mit dem neuen Transporter gehen wir jetzt einen sehr wichtigen nächsten Schritt.

Angebotserweiterung sorgt für Schub: „Seit 2024 gibt es den ID.BUZZ als GTX, 7-Sitzer, Allrad sowie den ID.Buzz Pure, unsere Modelle für unter 50.000 Euro", so Dr. Krause

DIE AUTOSEITEN: Bei Volkswagen Nutzfahrzeuge gibt es verschiedene Sparten, die reinen Nutzfahrzeuge, wie der Crafter. Es gibt aber mit dem California auch ein Modell, das zum Reisen animiert. Wo macht es am meisten Spaß, Fahrzeuge zu verkaufen?

Dr. Lars Krause: Uns macht es in allen Segmenten Spaß, Fahrzeuge zu verkaufen. Aber das stimmt, unsere Strategie fußt eigentlich auf drei Säulen. Die erste Säule zielt auf unsere Gewerbekunden. Wir nennen diese „Success“ und unser Anspruch ist es, mit unseren Produkten den Erfolg unserer Gewerbekunden zu optimieren. Die zweite Säule ist in der Tat das Freizeit- und Privatgeschäft. Dazu gehören der California, aber auch der Multivan oder die vielen Live-Produkte, die unsere Privatkunden jeden Tag nutzen. Und die dritte Säule, ist unsere Future-Mobility-Säule. Damit zielen wir auf die Geschäfte von morgen, nämlich auf das autonome Fahren und Dienste, die wir rund um das autonome Fahren anbieten. Ein gutes Beispiel dafür ist der MOIA-Dienst, den wir bereits jetzt in Hamburg und Hannover anbieten.

DIE AUTOSEITEN: Was versteht man unter MOIA-Dienst?

Dr. Lars Krause: MOIA ist unser Mobilitätsdienstleister in Hamburg. Man ruft sich per App ein Fahrzeug, wie ein Taxi, welches einen dann von A nach B bringt. Und das Tolle ist, um den Verkehr in Summe zu reduzieren, bilden wir quasi Fahrgemeinschaften, das heißt, wir poolen die Fahrgäste, die einen ähnlichen Weg nehmen wollen, sodass sie sich in unsere Fahrzeuge gemeinsam setzen und die Wegstrecke bestreiten. Wir nennen das Ridepooling. Und das ist für uns ein aktiver Beitrag in Richtung Future Mobility.

DIE AUTOSEITEN: In Metropolen sicherlich sehr gut umsetzbar. Aber den Verkehr zu reduzieren, bedeutet ja auch, weniger Autos zu verkaufen. Ist das nicht ein Widerspruch?

Dr. Lars Krause: Ja, das klingt erstmal wie ein Widerspruch, aber das ist es nicht. Denn wir erreichen damit natürlich auch neue Marktsegmente für unsere Marke. Das ist ein entscheidender Punkt, sodass wir nach wie vor, von einem Wachstum in den nächsten Jahren ausgehen, da wir damit viele Neukunden erreichen können, die nicht selbst fahren können oder wollen. Aber am Ende geht es ja auch darum, die zukünftige Mobilität sicherzustellen. Und da brauchen wir auch Konzepte, die langfristig tragen. Und es bringt nichts, nur an Althergebrachtem festzuhalten, sondern wir müssen uns auch neuen Trends und neuen Möglichkeiten öffnen.

Dr. Lars Krause (li.) im neuen California

DIE AUTOSEITEN: Hat der klassische Automobilhändler weiterhin eine Zukunft?

Dr. Lars Krause: Absolut, wir bezeichnen uns ja selbst als Nutzi-Familie und ich beziehe ganz ausdrücklich den Handel mit ein. Der Handel ist integraler Bestandteil unseres Geschäftssystems und wird es auch immer bleiben und ist insofern auch Teil unserer Nutzi-Familie.

DIE AUTOSEITEN: Natürlich haben Sie auch Mitbewerber in Ihrem Segment, bei den leichten Nutzfahrzeugen, bei den Transportern und kleinen Bussen. Wie schaut derzeit die Situation bei Volkswagen Nutzfahrzeuge? Was können Sie dem Kunden anbieten?

Dr. Lars Krause: Wir freuen uns natürlich erstmal, dass wir auch weiterhin Marktführer in Deutschland sind, mit über 22 Prozent Marktanteil. Da sind wir unglaublich stolz drauf, dass wir unsere Kunden jeden Tag weiter begeistern können. Das ist für uns auch ein echt wichtiger Antrieb. Was können wir unseren Kunden anbieten? Ich glaube, der ID. Buzz ist eigentlich der Inbegriff des elektrischen Nutzfahrzeugs. Er ist ja sowohl als Peoplemover als auch in der Cargovariante als Kastenwagen erhältlich – und hat den Markt für elektrische Nutzfahrzeuge geöffnet. Und die nächsten Schritte sind klar umrissen, der neue Transporter kommt jetzt auf den deutschen Markt.

DIE AUTOSEITEN: Aber es gibt weiterhin auch den klassische Antrieb, der Verbrenner und den Diesel bei Volkswagen Nutzfahrzeuge?

Dr. Lars Krause: Ja, absolut. Für jeden das richtige Auto. Wir versuchen, die Kundenbedürfnisse zu bedienen. Und das bedeutet auch, dass in vielen Anwendungsfällen der Diesel nach wie vor Sinn macht. Und deshalb bieten wir unseren Kunden die neueste Technologie und neueste Dieseltechnologie an. In der Phase der Transformation ist ein flexibles Antriebsangebot sehr wichtig, weil sich die Regionen weltweit unterschiedlich schnell entwickeln und Kundenbedürfnisse sehr vielfältig sind. Unser Wettbewerbsvorteil ist dabei unser breites Produktportfolio und unsere Flexibilität. Wir können die Nachfrage passgenau bedienen: Unsere Kunden können auswählen zwischen effizienten Verbrennungsmotoren, leistungsstarken Plug-In-Hybriden und rein elektrischen Modellen.

Der neue Transporter startet 2025

DIE AUTOSEITEN: Mit dem Amarok haben Sie ein spezielles Modell in der Palette, einen Pick-up. Ist der ein Mauerblümchen auf dem deutschen Markt?

Dr. Lars Krause: Der Amarok erfreut sich ja seit Jahren einer großen Beliebtheit. Und er bedient natürlich ganz spezielle Kundengruppen, nämlich diejenigen, die zum Beispiel sehr viel im Gelände fahren oder auch diejenigen, die einfach diesen Lifestyle leben wollen. Und für uns ist der Amarok kein Mauerblümchen, sondern ein echter Inbegriff unserer Marke und auch Teil unserer Identität. Deshalb freuen wir uns, so einen modernen Pick-up anbieten zu können

DIE AUTOSEITEN: Wenn wir über Deutschland hinausschauen, gibt es für Volkswagen Nutzfahrzeuge noch Märkte, wo Wachstum in den nächsten Jahren erzielt werden kann?

Dr. Lars Krause: Absolut, ein großer Schritt für uns war der Wiedereintritt in den amerikanischen Markt, der uns 2024 mit dem ID. Buzz gelungen ist. Das große Interesse und das sehr positive Feedback aus dem Markt beflügelt die Mannschaft in Hannover und in unseren polnischen Standorten wie auch in Wolfsburg, das freut uns sehr. Die Internationalisierung in Summe ist ein großer Schwerpunkt für uns und da zielen wir insbesondere auch auf die Region in Fernost, aber auch auf den Mittleren Osten, Südafrika, Südamerika.

DIE AUTOSEITEN: Werden Sie dort auch vor Ort Fahrzeuge fertigen und vielleicht neue Werke aufbauen?

Dr. Lars Krause: Am Ende ist es immer eine Frage von Angebot und Nachfrage. Aktuell planen wir das nicht, aber ich will es auch nicht ausschließen. Letztendlich geht es darum, die Marktchancen zu ergreifen und immer dann, wenn es Sinn macht, auch lokal zu fertigen. Weil ein bestimmtes Volumen erreicht ist oder weil auch die Randbedingungen das erfordern, dann werden wir dies tun – um am Ende der Internationalisierung auch Rechnung zu tragen.

DIE AUTOSEITEN: Wo sind die Hauptproduktionsstätten für Volkswagen Nutzfahrzeuge?

Dr. Lars Krause: Die Hauptproduktionsstätten von Volkswagen Nutzfahrzeuge sind in Hannover und an den beiden polnischen Standorte in Poznan und Wrzesnia. In Poznan bauen wir den Caddy schon über Jahrzehnte sehr erfolgreich. Und im nach wie vor sehr modernen Werk in Wrzesnia, aus meiner Sicht das modernste Nutzfahrzeugwerk in Europa, bauen wir den Crafter.

DIE AUTOSEITEN: Dr. Krause, was wird Volkswagen Nutzfahrzeuge seinen Kunden in diesem Jahr bieten?

Dr. Lars Krause: Nach dem Produktfeuerwerk im letzten Jahr ist die VWN-Modellpalette komplett aktualisiert. Damit haben wir das beste und breiteste Angebot in unserer Geschichte. Darauf können sich unsere Kunden freuen. Und natürlich viele neue Dienste rund um das Auto und neue Serviceangebote für gewerbliche als auch private Kunden, sodass wir noch stärker den heutigen Kundenanforderungen Rechnung tragen können. Darüber hinaus gibt es noch einen tollen Grund für uns zu feiern, denn der VW Bulli wird dieses Jahr 75 Jahre.

Die California Familie von Volkswagen Nutzfahrzeuge