Wir sprachen mit Hans Jörg Klein, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford-Werke GmbH, zuständig für das Geschäftsführungsresort Marketing, Vertrieb und Service

DIE AUTOSEITEN?: Herr Klein, die Autobranche befindet sich im Wandel, so werden mit der Elektrifizierung und Digitalisierung schon heute neue Wege befahren, die in Zukunft auch direkte Auswirkungen auf den Vertrieb haben können. Wie stimmen Sie Ihre Händler auf die Situation ein?

Hans Jörg Klein: Wir haben einen sehr engen Austausch mit unseren Händlern und den verschiedenen Gremien des Ford-Partner Verbandes und informieren sie sehr transparent über unsere zukünftige strategische Ausrichtung. Dies pflegen wir im direkten Kontakt über unser engmaschiges Netz an regionalen Vertriebsmitarbeiter*innen, aber auch über unser Händler-Online-Portal oder bei zentralen Veranstaltungen, die Corona-bedingt derzeit virtuell stattfinden. Unsere Partner-Betriebe wissen also genau, was wir vorhaben und unterstützen unsere strategischen Ziele.  

 ?:Halten Sie es für möglich, dass in Zukunft neue Autos nur noch online gekauft werden? Könnte hierdurch der Händler überflüssig werden?

Klein: Schon heute nutzen immer mehr Kunden unsere vielfältigen Online-Services. Das ist ein genereller Trend, der durch Corona noch beschleunigt wurde.  Dabei profitieren sie von der Expertise unserer fachkundigen Händler. Gemeinsam mit ausgewählten Ford-Partnern bieten wir beispielsweise eine Beratung per Videoanruf. Damit können Kunden bequem von zu Hause den Schauraum virtuell besuchen und ihre Fragen direkt am und im Wunschmodell beantworten lassen. Doch die allermeisten Kunden wollen nach wie vor bei einer Probefahrt beim Händler vor Ort erleben, wie viel Spaß es macht, einen Ford zu fahren. Und das wird sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern.

DIE AUTOSEITEN im Gespräch mit Hans Jörg Klein, stellvertretender Vorsitzender der Ford-Werke GmbH

Der Dienstwagen ein Ford Mustang Mach-E

?: Was verbirgt sich hinter dem europäischen Ford Electrification Center in Köln, das Anfang des Jahres gegründet wurde?

Klein: Das erste rein elektrische Volumenmodell von Ford in Europa wird 2023 in Köln-Niehl vom Band laufen. Zudem wird dieses und auch künftige E-Modelle in unserem Entwicklungszentrum in Köln-Merkenich designt, entwickelt und getestet. Damit nimmt unser Kölner Standort eine zentrale Rolle in der Elektrifizierungsstrategie von Ford in Europa ein.  

 ?: Hat das Ford Electrification Center einen direkten Einfluss auf den Standort Deutschland und kann das Werk in Köln profitieren?

Klein: Vor mehr als 90 Jahren haben Konrad Adenauer und Henry Ford den Grundstein für unser Kölner Werk gelegt. Nun stecken wir eine Milliarde US-Dollar in den Ausbau zum E-Mobilitätszentrum – die größte Summe, die wir je in Köln investiert haben. Das ist für uns wie eine zweite Grundsteinlegung. Wir legen damit die Basis für die Zukunft des Standorts und geben unseren Mitarbeitern eine vielversprechende Perspektive.

 ?: Wie elektrisch werden in Zukunft die Ford-Modelle für den deutschen Markt sein?

Klein: Sehr elektrisch! Wir treiben die Elektrifizierung unserer Flotte vehement voran. Der rein elektrische Ford Mustang Mach-E steht bereits in den Schauräumen der Händler. Anfang nächsten Jahres folgt der E-Transit und 2023 das Elektro-Modell aus Köln. Bis 2026 wird es in jeder Pkw-Baureihe mindestens ein Modell als Plug-in-Hybrid oder mit vollelektrischem Antrieb geben. Und ab 2030 bieten wir in Europa nur noch rein elektrische Pkw-Modelle an.  

 ?: Kommen die Ford-Modelle mit Plug-in-Hybrid und als Vollhybrid bei den Kunden gut an? Wird das Angebot mit dieser Technik noch erweitert?

Klein: Bis 2030, wenn wir unsere komplette Pkw-Flotte auf reinen Elektro-Antrieb umgestellt haben werden, setzen wir parallel auf Hybrid-Modelle und zwar auf das gesamte Spektrum von Mildhybriden, über Vollhybride bis zu Plug-in-Hybriden. Wir bieten also in jeder Baureihe mindestens eine Hybrid-Variante an − beim aktuellen Ford Kuga sogar alle drei verschiedenen Hybrid-Technologien. Diese Vielfalt kommt bei den Kunden sehr gut an.

 ?: Nach dem bekannt wurde, dass der Mondeo nicht mehr angeboten wird, ist jetzt zu befürchten, dass auch der Fiesta oder Focus aus dem Programm genommen werden? 

Klein: Der Ford Fiesta und Ford Focus gehören zu unseren absatzstärksten Modellen in Deutschland und Europa. Sie sind deshalb besonders wichtig für unser Geschäft und wir investieren weiter in beide Modellreihen

 ?: Wie hat sich Ford im vergangenen Jahr trotz der schwierigen Situation entwickeln können? Auch heute ist die Corona-Pandemie noch nicht überstanden – wie bereitet sich das Unternehmen auf die anspruchsvolle Zeit vor?

Klein: Natürlich hat unser Absatz – so wie in der gesamten Branche – unter der Corona-Krise gelitten. Dazu kamen im ersten Quartal dieses Jahres noch Produktionsausfälle aufgrund der weltweiten Lieferengpässe von Halbleiterkomponenten. Inzwischen sehen wir wieder einen Aufwärtstrend. Bei den leichten Nutzfahrzeugen sind wir bereits über Vor-Corona-Niveau. Mit dem Markstart des rein elektrischen Ford Mustang Mach-E können unsere Kunden voll von der Umweltprämie für E-Modelle profitieren. Wir blicken also zuversichtlich auf die nächsten Wochen und Monate.      

Zur Person

 Seit Anfang Dezember 2020 ist Hans Jörg Klein stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford-Werke GmbH. Diese Funktion nimmt er zusätzlich zu seinem Geschäftsführungsresort Marketing, Vertrieb und Service wahr – zudem ist Diplom-Ingenieur Klein verantwortlich für das gesamte operative Geschäft von Ford in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 1991 ist Hans Jörg Klein seine berufliche Laufbahn bei Ford begonnen.    

Gemeinsam in die Zukunft

 Ford und Volkswagen weiten ihre globale Zusammenarbeit aus

 Volkswagen und Ford vertiefen ihre Kooperation in den strategisch wichtigen Feldern Elektromobilität und autonomes Fahren. Sie umfasst nun auch die Bereiche Elektromobilität und – in Verbindung mit Argo AI – das autonome Fahren, das auf dem US-Markt und in Europa eingeführt werden soll. Damit wollen beide Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, die Produkte noch besser auf die Wünsche der Kunden weltweit abstimmen und gleichzeitig die Kapitaleffizienz steigern.

In beiden Bereichen, E-Mobilität und autonomes Fahren, versprechen sich die Automobilhersteller Synergieeffekte. So will Ford seine E-Modelle auf Basis des von Volkswagen entwickelten Modularen E-Antriebsbaukasten (MEB) produzieren. Damit will der US-Autobauer ab 2023 in Europa mindestens ein rein batterieelektrisches Fahrzeug in hoher Stückzahl anbieten. Durch den Zugang zu der bereits von Volkswagen skalierten E-Architektur kann Ford sein Fahrzeug-Portfolio effizient ausbauen. Außerdem will sich der Volkswagen Konzern an der Ford-Tochter Argo AI beteiligen. Damit soll die Technologie für autonomes Fahren in den USA und Europa gemeinsam vorangetrieben werden. Volkswagen und Ford wollen das Self Driving System (SDS) von Argo AI dann unabhängig voneinander nutzen, um die jeweiligen Mobilitätsdienste auszubauen.