Ein Sportwagen von Toyota – mit dieser Meldung hat der größte japanische Automobilkonzern die Branche zum ersten Mal vor 55 Jahren beeindruckt. Damals war es der Toyota 2000GT, legendär durch Weltrekordfahrten und als James-Bond-Mobil im Action-Abenteuer „Man lebt nur zweimal“, der zeigte, wie ein ultimativer Hightech-Sportwagen aussehen muss. Seine adrenalinhaltigen Gene gab der 2000GT weiter an den nächsten Athleten: den Toyota Supra, der von 1978 bis 2002 in vier Generationen fast 600.000 Fans fand. Heute will sich der neue GR Supra die Freude an sportlichem Fahrspaß zurückholen, wie bereits seine Vorgänger mit schnellen Rundenzeiten auf Straßen und Rennstrecken.

Rückblick: Schon der erste, 1978 in Japan und kurz danach in Nordamerika vorgestellte Toyota Supra zeigte, dass er oberhalb gewöhnlicher Sportwagen steht, so wie es sein aus dem Lateinischen stammender Modellname verspricht. Nach dem Produktionsende des Toyota 2000GT im Jahr 1970 und der folgenden ersten Energiekrise hatte die Fachwelt nicht mehr mit einem neuen leistungsstarken Gran Turismo von Toyota gerechnet. Aber der damals noch Celica Supra genannte Sportler setzte den Start zu einer neuen Erfolgsstory und das mit der DNA des 2000GT als Vorreiter aller asiatischen Supercars. Dazu zählte die klassische Antriebskonfiguration aus Frontmotor und Hinterradantrieb, aber auch ein temperamentvoller Reihen-Sechszylinder unter der lang gestreckten Motorhaube, nicht zu vergessen die großzügig dimensionierte Vier-Scheibenbremsanlage, während sich manch anderer Sportler noch mit hinteren Trommelbremsen begnügte.

Ab 1993 fuhr die vierte Generation der Supra mit 330 PS (243 kW) endgültig auf Augenhöhe mit manchen namhaften Boliden. Hier wurde ein Reihen-Sechszylinder-Benziner mit klassischem Hinterradantrieb verbaut. Für das Fahrwerk-Feintuning und die Kalibrierung – damals neuer elektronischer Techniken wie Antriebsschlupfregelung und automatisch ausfahrender Frontspoiler – nutzte Toyota spezielle „Top Guns“ – die Elite der Testfahrer. Als erster Toyota in Deutschland kostete der Supra über 100.000 Mark, was ebenfalls indizierte, in welcher Liga dieser Sportler spielte, der ohne die serienmäßige Abriegelung von 280 km/h noch schneller gewesen wäre. In Deutschland wurde der Verkauf der vierte Generation der Supra eingestellt.

Rennstrecken zählten für diese Supra zum natürlichen Terrain und so war es die Nürburgring-Nordschleife, auf der die Geburtsstunde des heute aktuellen Toyota GR Supra schlug, wie Toyota Präsident Akio Toyoda, selbst ein meisterhafter Autofahrer, berichtet. Bei einer Testfahrt in einem alten Supra der vierten Generation entschied Akio Toyoda, dass die Entwicklung des neuen GR Supra in Angriff genommen werden musste. Die technische Feinabstimmung bei dieser fünften Generation der Supra übernahmen erstmals Rennsport-Experten von Gazoo Racing, worauf das Typenkürzel GR hinweist.

Heute vereint die Toyota Collection die hochkarätigsten Vertreter dieser Dynastie japanischer Supersportwagen, vom Toyota 2000GT bis zum Supra (Baureihe A80) – aber auch die Breitensportler wie Celica und MR2 werden hier gefeiert. Insgesamt präsentiert Deutschlands größter Toyota Sammlung 75 Klassiker aus sechs Jahrzehnten Unternehmenshistorie. Die Toyota Collection ist direkt neben der Toyota Deutschland-Zentrale in Köln beheimatet. 

Das „goldene Verhältnis“

Als die Toyota Entwickler die Abmessungen für den neuen GR Supra definierten, gaben vor allem die Agilität und Handling-Eigenschaften den Ausschlag. Ausgangspunkt war das „goldene Verhältnis“ von 1,55 zwischen Radstand und Spurweite: Dieses garantiert das ideale Gleichgewicht aus Wendigkeit und Stabilität. In der Entwicklung wurden höchste Ansprüche an die Handling-Performance gestellt – dass diese schließlich erreicht wurden, dafür sorgte das von Toyota Gazoo Racing geleitete Entwicklungsprogramm, zu dem umfangreiche Fahrtests auf einer Vielzahl unterschiedlicher Strecken gehörten.

Die hohe strukturelle Steifigkeit, die sogar den Supersportwagen Lexus LFA übertrifft, ein Schwerpunkt, der noch niedriger als beim Toyota GT86 liegt, und die perfekte Gewichtsverteilung von 50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse waren grundlegende Voraussetzungen, um die anspruchsvollen Dynamikziele zu erreichen. Dafür waren aber auch mutige Entscheidungen erforderlich. Die angestrebte Gewichtsverteilung etwa ließ sich nur dadurch erreichen, dass der Motor so weit wie möglich nach hinten rückte, woraus sich wiederum neue Herausforderungen für die Produktion ergaben.

Die Neuauflage der Supra, der mit dem neuen „GR“-Kürzel nun den Motorsport-Verweis „Gazoo Racing“ im Namen trägt, bietet heute noch mehr Fahrspaß. Verantwortlich ist das klassische Sportwagen-Layout: Ein 3,0 Liter großer Sechszylinder-Turbomotor mit 340 PS (250 kW) vorn platziert, trifft auf Hinterradantrieb, ein perfekt ausbalanciertes Fahrwerk und auf einen äußerst niedrigen Schwerpunkt.

Das Kürzel „GR“

Hintergrund: Aus der Toyota Motorsport GmbH (TMG) ist im Frühjahr 2020 die Toyota Gazoo Racing Europe GmbH (TGR-E) geworden. Die formelle Umbenennung würdigt die zentrale Rolle und große Bedeutung des in Köln beheimateten Unternehmens für die weltweiten Motorsportaktivitäten des japanischen Automobilkonzerns. Der Standort im Kölner Stadtteil Marsdorf bildet das Forschungs- und Entwicklungszentrum innerhalb der Gazoo Racing Company – jener eigenständigen Abteilung der Toyota Motor Corporation, die sowohl für Motorsport als auch für Hochleistungs-Straßenfahrzeuge zuständig ist.

Das seit 1979 in Köln präsente Unternehmen hieß ursprünglich Andersson Motorsport GmbH zu Ehren des Gründers Ove Andersson. Mit der vollständigen Übernahme durch die Toyota Motor Corporation 1993 erfolgte die Umbenennung in die Toyota Motorsport GmbH, die unter anderem das Formel-1-Engagement und den Titelgewinn in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) federführend betreute. Auch die neue Toyota Gazoo Racing Europe GmbH zeichnet weiterhin für die Teilnahme in der WEC verantwortlich. Sie kümmert sich auch unverändert um die Motorisierung für die FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) und das Kundenmotorsport-Projekt GR Supra GT4.

Damit bleibt das Unternehmen die zentrale Drehscheibe für die Motorsportaktivitäten von Toyota in Europa. Toyota Gazoo Racing Europe wird aber auch seine Entwicklung von Hochleistungsfahrzeugen für die Straße verstärken – neben der bereits angebotenen GR Supra wird noch in diesem Jahr der GR Yaris vorgestellt. Hier leistet der 1,6 Liter Dreizylinder mit kugelgelagertem Turbolader 261 PS (192 kW) und will mit seinem maximale Drehmoment von 360 Nm beeindrucken – denn mit permanentem Allradantrieb ist der GR Yaris das erste derartige Homologationsmodell von Toyota für die Rallye-Weltmeisterschaft seit dem Produktionsende des legendären Celica GT-Four im Jahr 1999.