Reiserouten, Fahrstrecken und Wege verändern sich – mal schneller, mal langsamer. Audi will auf seinem Weg zum Anbieter bilanziell CO2-neutraler Premiummobilität konsequent gehen und dies möglich zügig. Damit passt die Ausrichtung des aktuellen Motorsport-Programms der Marke nicht so wirklich in die Gedankenwelt. Daher ist es nur klar, dass das Engagement in der Tourenwagen-Rennserie DTM nicht über die Saison 2020 hinaus verlängert wird.

Dies hat der Vorstand der AUDI AG auch vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Herausforderungen infolge der Corona-Pandemie beschlossen und der Internationalen Tourenwagenrennen e.V. den Ausstieg unverzüglich mitgeteilt.

Damit steht der erfolgreiche Einsatz in der Formel E und im Kundensport künftig im Mittelpunkt der Motorsport-Aktivitäten von Audi. Die Marke ist seit dem Start der populären rein elektrischen Rennserie im Jahr 2014 in der Formel E vertreten. Audi Sport ABT Schaeffler ist mit 41 Pokalen das über die Jahre erfolgreichste Formel-E-Team. Jenseits der Rennstrecke will Audi bereits im Jahr 2025 rund 40 Prozent seines Absatzes mit Elektroautos und Plug-in-Hybriden erzielen.

„Audi hat die DTM geprägt und die DTM hat Audi geprägt. Das demonstriert, welche Power im Motorsport liegt – technologisch und emotional“, sagt Markus Duesmann, Vorsitzender des Vorstandes der AUDI AG. „Mit dieser Energie werden wir unseren Wandel zum Anbieter sportlicher, nachhaltiger Elektromobilität vorantreiben. Wir fokussieren uns deshalb auch auf der Rennstrecke und fahren konsequent um den Vorsprung von morgen. Die Formel E bietet dafür eine sehr attraktive Plattform. Ergänzend prüfen wir für die Zukunft weitere progressive Motorsport-Formate.“

Die DTM ist enttäuscht – Gerhard Berger, 1. Vorsitzender ITR e. V, dem Ausrichter der Tourenwagenserie DTM sagt: „Ich bedaure die Entscheidung von Audi, sich 2021 aus der DTM zurückzuziehen, außerordentlich. Sie ist zu respektieren, auch wenn die Kurzfristigkeit, mit der diese Entscheidung mitgeteilt wurde, mich, unseren Partner BMW und alle weiteren Teams vor besondere Herausforderungen stellen. Hier hätten wir uns, gerade in Corona-Zeiten, ein Vorgehen im Sinne unserer gemeinsamen Gesellschaft gewünscht.“

Back on track – die DTM konnte Anfang Juni auf dem Nürburgring intensive Testfahrten absolviert. Die Hersteller Audi und BMW sowie die Privat-Teams WRT (Audi) und ART (BMW) sammelten gemeinsam rund 19.000 Testkilometer und über 5.200 Runden. Dank der teilweise idealen Bedingungen während der vier Tage unterbot Ferdinand Habsburg (WRT Team Audi) als Schnellster der Testfahrten den aktuellen Rundenrekord der DTM. Seine 1.18,911 Minuten sind die beste jemals auf dem Sprintkurs gemessene Zeit eines DTM Tourenwagens – insgesamt präsentierten sich die Marken Audi und BMW auf Augenhöhe.

Back to Race – die DTM startet 2020 nicht am Norisring. Hintergrund für die endgültige Absage der einzigen Stadtrennen ist, dass die Stadt Nürnberg die nötige behördliche Genehmigung nicht erteilt. Damit rücken die Rennen in Spa-Francorchamps am 01. und 02. August als Saisonauftakt der DTM 2020 in den Fokus. Hier hatten die Behörden die entsprechenden Genehmigungen bereits erteilt. Bei den Rennen der DTM kommt ein mit renommierten Experten entwickeltes, detailliertes und präzises Infektionsschutzkonzept zum Einsatz, das permanent an die dynamische Lage in der Covid-19-Pandemie angepasst wird. Der kompakte DTM-Kalender umfasst zwischen August und November neun Veranstaltungen in Deutschland, Belgien und den Niederlanden.

Rückblick mit Wehmut

Audi kann auf eine überaus erfolgreiche Vergangenheit in der DTM zurückblicken. Mit 23 Meistertiteln, darunter elf Fahrertiteln, sowie 114 Siegen, 345 Podiumsplatzierungen, 106 Pole-Positions und 112 schnellsten Runden hat Audi die DTM von 1990 bis 1992 und ab 2000 geprägt. Mit drei von drei möglichen Meistertiteln, zahlreichen Podiumsplatzierungen und vielen weiteren Rekorden war 2019 die bisher erfolgreichste DTM-Saison der Unternehmensgeschichte. An diese Erfolge will Audi in der Saison 2020 anknüpfen und sich mit einer erfolgreichen Titelverteidigung in allen drei Meisterschaften von den DTM-Fans verabschieden. „Nach einer so grandiosen Saison 2019 kann nur das berühmte Motto gelten: Never change a winning team! Aus meiner Sicht hatten wir im vergangenen Jahr den mit Abstand stärksten Fahrerkader in der DTM. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir 2020 weiter auf dieselben sechs Piloten setzen können“, sagte Audi-Motorsportchef Dieter Gass noch Anfang des Jahres – und heute kann von Freude wohl kaum noch die Rede sein.

Zur Person

Markus Duesmann ist seit dem 1. April 2020 neuer Vorsitzender des Vorstands der AUDI AG. Der 50-jährige Maschinenbau-Ingenieur tritt die Nachfolge von Bram Schot an, der das Amt seit Juni 2018 innehat. Duesmann ist seit knapp drei Jahrzehnten in der Autobranche tätig, zuletzt war er Einkaufsvorstand bei BMW.

Bei BMW trat Duesmann 2007 als Leiter Formel 1 Antrieb an. Nach mehreren verantwortlichen Funktionen im Unternehmen wurde Duesmann im Oktober 2016 zum Mitglied des Vorstands für Einkauf und Lieferantennetzwerk der BMW AG berufen – diese Funktion hatte er bis Juli 2018 inne.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der AUDI AG, Dr. Herbert Diess, kommentiert den Wechsel des CEOs: „Markus Duesmann wird als exzellenter Ingenieur alles daransetzen, die großen Potenziale der Marke Audi zu heben und damit das Versprechen ‚Vorsprung durch Technik‘ erneut verstärkt unter Beweis zu stellen.“