DIE AUTOSEITEN: Herr Capito, Sie haben 2019 mit dem neuen T-Roc R das erste Modell im Angebot, das unter Ihrer Ägide entwickelt wurde.

 Jost Capito: Ja, der Fokus war einen wirklich guten Allrounder zu schaffen, der leicht, einfach zu fahren ist, der sehr sportlich ist. Wir wollten im Prinzip ein sehr ausgewogenes sportliches Fahrzeug machen. Da hatten wir mit dem T-Roc Basis-Fahrzeug natürlich eine tolle Ausgangsposition. Das Fahrwerk ist gut, es ist die gleiche Plattform wie beim Golf R, und somit konnten wir den Motor und den Antriebsstrang vom Golf R übernehmen, aber natürlich alles abgestimmt auf das andere Fahrzeug, einen SUV. Denn der SUV muss eine andere Charakteristik haben als ein Golf. Und ich denke, das haben wir mit dem T-Roc R recht gut geschafft.  

?: Der neue T-Roc R ist natürlich kein Rennwagen der auf der Rennstrecke zuhause ist, er kann es aber auch dort. Wo sehen Sie Ihr Käuferklientel? 

Capito: Das sollte ein breites Käuferklientel sein, weil wir haben das Fahrzeug nicht für die Rennstrecke entwickelt. Es kann das, aber es ist ausgelegt, dass es Spaß macht auf der Landstraße zu fahren. Der T-Roc R ist sehr leicht zu fahren, sehr intuitiv zu fahren und trotzdem macht es Spaß sportlich zu fahren, weil die Fahrwerksabstimmung wirklich so sportlich ist und man ohne elektronische Eingriffe wirklich sportlich fahren kann. Von daher glaube ich, dass die Käuferschicht noch wesentlich breiter ist, als beim Golf R. Und ich hoffe, dass wir auch mehr Frauen bewegen das Auto mal zu testen und mal zu probieren, weil man doch mit der höheren Sitzposition einen Vorteil hat und dies die Alltagstauglichkeit unterstreicht. Im Vergleich zum Golf R kann man auch eine Anhängerkupplung bestellen und man hat eine Dachlast von 75 Kilo. Unsere Kunden sind sehr Freizeit und Outdoor affin. Und das heißt, sie haben auch Outdoor Freizeitgeräte, ob Fahrräder, Skier oder Kanus sind, was immer das ist, kann auf dem Dach transportiert werden. Wir haben mit dem T-Roc R die volle Alltagstauglichkeit, die auch der T-Roc als Basis bietet.   

?: Das überrascht es mich. Sie sprachen gerade von Anhängerkupplung, sie wird in der Ausstattungsliste als Option angeboten?   

Capito: Ja. 

?: Man wird zukünftig auch den T-Roc R mit einem Wohnwagen sehen? 

 Capito: Ja, das können wir sehen. Er kann 1,9 Tonnen ziehen und man kann mit dem Wohnwagen irgendwo hinfahren, dann abhängen und hat Spaß auf den Straßen.

?: Wo sehen Sie da den T-Roc R innerhalb der Wettbewerber im Volkswagen Konzern?  

Capito: Ich glaube, es gibt eine geringe Kannibalisierung, aber wenn man die Autos fährt, speziell den Audi SQ2 und den CUPRA Ateca dann spürt man wo die Unterschiede sind. Wir haben eine komplett andere Philosophie die Autos abzustimmen. Ich glaube, der CUPRA Ateca ist meiner Ansicht nach wesentlich extremer. Der SQ2 ist wesentlich komfortabler und ich denke, wir haben genau das Auto in der Mitte, das auf der Rennstrecke sogar schneller ist als ein CUPRA Ateca. Aber auch genauso komfortabel gefahren werden kann, wie ein Audi SQ2. Und damit, glaube ich, haben alle drei eine eigenständige Persönlichkeit, die auch so gewollt ist.

 ?: War während der Entwicklung des Serienmodells T-Roc klar, dass es auch ein R geben wird oder ist die Entscheidung erst später gefallen? 

Capito: Die Entscheidung ist später gefallen. Sie ist gefallen, als wir das Ziel definiert hatten, die Marke R mehr auszubauen und damit auch ein größeres Portfolio zu schaffen.

 ?: Werden zukünftig die R-Modelle und das Serienmodell parallel entwickelt, ist das Ihr Ziel, dass man wenn das neue Serienmodell auf den Markt kommt, auch gleich das R-Modell präsentiert? 

Capito: Das geht nicht, weil es einen gewissen Versatz geben muss, allein aufgrund des Entwicklungsablaufes. Das neue Modell wird erst für das Basis-Fahrzeug designt und bekommt eine Form. Und erst wenn die steht, können wir anfangen ein R draus zu entwickeln. Dies gilt nicht nur für Design, es gilt auch für das Fahrwerk und das Interieur, somit brauchen wir eine Basis um unsere R-Modell zu präsentieren.  

?: Jetzt ist der neue Golf auf den Markt, wird dann der neue Golf R erst in zwei Jahren auf den Markt kommen? 

Capito: Wir machen heute natürlich noch keine Aussage, wann welches R-Modell kommt. Aber wenn das so ist, wie ich es vorher gesagt habe, dann müssen nicht immer zwei Jahre vergehen vom Basis-Modell bis zum R-Modell. 

 ?: In Zukunft soll Volkswagen R wachsen, das heißt zum heutigen Tag gibt es die siebte Generation Golf R, den Golf Variant R, jetzt neu hinzugekommen der T-Roc, wie wird das Portfolio in Zukunft weiter wachsen können? 

Capito: Wir können uns sicher sein, dass das R-Portfolio nach oben wachsen wird. Es wird sehr stattlich ausgebaut. 

?: Von welchem Zeitfenster sprechen wir, in den nächsten fünf, sechs Jahren? Oder wird es bereits früher sein?

Capito: Ich glaube, dass drei oder vier Jahre niemand warten muss. 

?: Das Unternehmen heißt Volkswagen R, für was steht das R? Es gibt jetzt auch ein neues Logo, was sehr dynamisch auch aussieht, für was steht das R? 

Capito: Das R steht für Racing, da kommt es auch ursprünglich her. Und wir haben auch in der Vergangenheit ist ein bisschen die Verbindung zum Racing und zu Volkswagen Motorsport wieder aufleben lassen. Ich meine, das sieht man auch an der Zusammenarbeit mit dem ID.R, der eben R heißt. Und das ist nicht ein reines Branding, sondern wir arbeiten da sehr eng zusammen. Ich habe mal Volkswagen Motorsport geleitet, ich kenne die Leute, ich kenne die Ingenieure, weiß was die können und weiß welche Kompetenzen bei uns sind. Und wenn wir über Zukunftstechnologien sprechen, möchten wir wirklich, dass aus dem Motorsport wieder Technologien über die Performance in die Serie kommen. Weil dies eine sehr schnelle Entwicklung im Motorsport ist und die kann man in die Performance Fahrzeuge bringen kann. Und das gilt auch besonders für den ID.R, mit dessen Techniktransfer es in Zukunft sicher elektrische Performance R-Fahrzeuge geben wird. Und da gibt es natürlich eine hohe Kompetenz bei Volkswagen Motorsport durch den ID.R. Und ich denke, wenn wir beides zusammenbringen als Volkswagen R, dann können wir sehr kompetente Elektro-Performance-Autos in der Zukunft auf den Markt bringen. Und da arbeiten wir auf allen Gebieten sehr eng mit dem Motorsport zusammen. 

?: Es könnte auch einen ID.3 R geben in Zukunft?

Capito: Was immer für ein Modell es geben wird, aber es wird ganz sicher R-Elektromodelle geben. 

?: Das neue Logo, hat das einen speziellen Hintergrund, dass es so designt ist wie es heute ist?

Capito: Ja, das haben wir zusammen mit dem Design gemacht, das Design hat da die Federführung gehabt. Wir wollten, dass das Logo dynamischer wird, wir wollten auch R und R-Line näher zusammenbringen im Logo. Und es ist nicht mehr up to date ein Line hinter zu schreiben, sondern dass man dem Logo an sich sieht, ob R oder R-Line ist. Und ich denke, die Designer haben da einen guten Vorschlag gemacht der uns gefallen hat. Es wurde ja parallel zum New Volkswagen Design entwickelt. Sie werden in Zukunft sehen, das ist nicht nur das Logo an sich, es ist die Bildsprache von Volkswagen und R ist verwandt, aber eben nicht die Gleiche. Und das Gleiche gilt auch in der Kommunikation. Wie die Werte von R sind, übernehmen wir natürlich wieder die Basis von Volkswagen, aber wir unterscheiden uns auch. Und das wird in der Zukunft auch ausgerollt parallel zu dem New Volkswagen. Und ich denke, das macht sehr viel Sinn und ist angelehnt an die Untersuchung, die wir gemacht haben, was unsere Klientel sind für R-Modelle.

?: Sie stehen jetzt über zwei Jahre der Volkswagen R vor, Sie haben dieses Unternehmen umstrukturiert, Sie haben jetzt das neue Produkt, Sie launchen jetzt das neue Produkt, Sie werden noch sehr viel vorhaben, wie Sie vorhin gesagt haben, sind Sie bislang zufrieden mit dem was Sie erreichen konnten? 

 Capito: Ja. 

?: Als sportliche Tochter eines großen Konzern? 

Capito: Ja. Ich denke, wir bekommen die Freiheiten die wir brauchen, um sportliche Autos zu machen. Wir bekommen auch die nötige Unterstützung. Und wir haben auch im Vorstand Kollegen die ein Auto fahren können, die wissen, was ein sportliches Auto ist und das auch verstehen, und uns auch die Freiheiten geben. Dass das nicht immer einfach ist im großen Unternehmen, das ist klar. Wir haben auch unsere Randbedingungen, die wir erfüllen müssen. Aber wir bekommen das Verständnis. Und daher haben wir auch die Möglichkeit R-Modelle zu entwickeln. Ich glaube, auch im Vorstand sieht man, dass die Marke emotionale Fahrzeuge nach wie vor braucht. Und wir haben den Auftrag diese emotionalen Fahrzeuge für die Marke Volkswagen zu entwickeln und als R-Modelle zu bringen. 

 ?: Haben Sie jetzt praktisch in den vergangenen zwei Jahren die Basis geschaffen, um weiter zu wachsen? 

Capito: Ja, ganz sicher.