Eine der weltweit größten Herausforderungen für Rennfahrer ist die spektakuläre Piste durch die Häuserschluchten von Macau am Chinesischen Meer. Hier startete die WTCR (FIA Tourenwagen-Weltcup) und das Volkswagen Team „Sébastien Loeb Racing“ war beim Saison-Höhepunkt auf vier Golf GTI TCR dabei. Im Mittelpunkt stand der ungekrönte „König von Macau“ Rob Huff. Der Brite ist mit bisher neun Siegen der erfolgreichste Tourenwagen-Pilot im Spielerparadies im Perlflussdelta. Auch Teamkollege Mehdi Bennani feierte auf dem „Circuito da Guia“ bislang einen Sieg. Dagegen waren der Schwede Johan Kristoffersson und Volkswagen-Markenbotschafter Benjamin Leuchter Macau-Neulinge. „Volkswagen verbindet mit Macau eine erfolgreiche Historie. Formel-3-Autos mit unseren Motoren haben hier in fast vier Jahrzehnten elf Siege gefeiert. 2018 startete der WTCR zum ersten Mal in Macau, Rob Huff hat im Golf GTI TCR einen neuen Rundenrekord für Tourenwagen aufgestellt“, sagte Sven Smeets, Volkswagen Motorsport-Direktor, gegenüber DIE AUITOSEITEN am Rande der attraktiven Rennstrecke in Macau.

Rückblende: Der seit 1954 auf den Straßen von Macau ausgetragene „Grand Prix“ gehört zu den weltweit traditionsreichsten Rennveranstaltungen. Jährlich bestreiten hier außer Tourenwagen auch die Formel 3 und GT-Sportwagen sowie Motorrad-Piloten ihren Saisonhöhepunkt. Die 6,120 Kilometer lange Piste ist an manchen Stellen nur sieben Meter breit, weist eine der engsten Haarnadelkurven aller Rennstrecken auf und überwindet einen Höhenunterschied von rund 30 Metern. Rob Huff bestätigt: „Die Rennstrecke von Macau ist wirklich furchteinflößend. Es gibt keinen Raum für Fehler.“ Neun Mal stand der Brite schon ganz oben auf dem Podium – ein Rekord. Acht Mal siegte er in der FIA Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC), einmal in der WTCR-Vorgängerserie TCR International.

Die Rennstrecke von Macau lässt mit zwei völlig unterschiedlichen Abschnitten nur schwer einen fahrerischen Rhythmus aufkommen. Zwischen den Hochhäusern besteht die Piste aus einem schmalen Leitplankenkanal, der sich in Steilstücken bergauf und bergab schlängelt. Überholen ist nur mit hohem Risiko möglich. Im Gegensatz dazu ist der Pistenabschnitt im unteren Abschnitt, vom Trinkwasser-Reservoir über Start/Ziel bis zum legendären Hotel Lisboa, außergewöhnlich breit. „Hier wird fast nur Vollgas gefahren. Vor allem im Training ist Teamwork wichtig. Im Windschatten eines Teamkollegen bist du auf der Geraden mindestens zehn km/h schneller als ohne“, erläuterte Huff.

Auch an anderer Stelle setzt Sébastien Loeb Racing auf Mannschaftsleistung. „Ich musste zum Glück nicht bei null anfangen, sondern konnte bei der Abstimmung meines Golf GTI TCR auf die Daten von Rob und Mehdi zugreifen“, sagte Macau-Neuling Benny Leuchter im Gespräch muit DIE AUTOSEITEN, der sich im Simulator und mit Inboard-Videos der Teamkollegen auf das Rennen vorbereiten konnte. „Ich habe mir früher die Formel-3-Rennen im Fernsehen angesehen und war total fasziniert. Dass ich jetzt auf dieser Traditionsstrecke selbst gefahren bin, war der Hammer“, freute sich Leuchter.

Ein kämpferisches Rennwochenende wurde mit einem Podiumsplatz belohnt: Rob Huff, mit neun Siegen der inoffizielle „König von Macau“, hat sein Können im FIA Tourenwagen-Weltcup (WTCR) auf „seiner Rennstrecke“ erneut unter Beweis gestellt. Von der Pole-Position erkämpfte sich der Tourenwagen-Weltmeister von 2012 im Golf GTI TCR im dritten Durchgang den zweiten Platz. Schon im ersten Rennen des Wochenendes hatte Huff für Aufsehen gesorgt. Von der siebten Startposition kämpfte er sich auf Platz vier vor und verpasste damit ein Podiumsresultat nur knapp. Im zweiten Qualifying setzte Huff zudem mit 2.27,963 Minuten auf dem Stadtkurs einen neuen TCR-Rundenrekord.

Neue Strategie bekanntgegeben 

Volkswagen richtet seine Motorsport-Strategie gezielt auf Elektromobilität aus.

Das heißt im Klartext: Auf die Fokussierung rein elektrische Rennfahrzeuge folgt der werksseitige Abschied vom Verbrennungsmotor. Die Rolle als technologischer Vorreiter wird auch in Zukunft der Elektro-Sportwagen ID.R übernehmen, der mit seinen Rekorden am Pikes Peak, auf dem Nürburgring, in Goodwood und am Berg Tianmen wichtige Meilensteine für die Elektromobilität erzielt hat. Zusätzlich wird Volkswagen Motorsport auf Basis des Modularen E-Antriebs-Baukastens (MEB), auf dem zahlreiche elektrische Serienfahrzeuge aufsetzen werden, neue Motorsport-Konzepte für die ID. Familie entwickeln.

Volkswagen Motorsport-Direktor Sven Smeets

 „Volkswagen Motorsport hat mit dem ID.R Neuland betreten und mit seinen Rekorden das enorme Potenzial des Elektroantriebs weltweit aufgezeigt. Nun ist der Zeitpunkt für den nächsten Schritt in Richtung Zukunft gekommen: Volkswagen bekennt sich auch im Motorsport konsequent zur E-Mobilität und verabschiedet sich werksseitig vom Verbrennungsmotor“, sagt Dr. Frank Welsch, Mitglied des Vorstands der Marke Volkswagen Pkw, Geschäftsbereich Technische Entwicklung. „Neben dem ID.R als Technologie-Vorreiter wird der MEB künftig die zweite seriennahe Säule im Motorsport-Programm von Volkswagen darstellen.“

Volkswagen Motorsport-Direktor Sven Smeets erklärt: „Die Elektromobilität bietet ein riesiges Entwicklungspotenzial und der Motorsport kann als Vorreiter wichtige Impulse geben: Zum einen dient er als rollendes Labor für die Entwicklung künftiger Serienautos, zum anderen als überzeugender Kommunikationskanal, um Menschen noch stärker für die Elektromobilität zu begeistern. Darum werden wir uns werksseitig stärker denn je auf den Elektroantrieb konzentrieren und unsere Aktivitäten mit der Erschließung des MEB weiter ausbauen. Innovative Technologie, die für das Automobil der Zukunft relevant ist, steht für uns im Fokus. 

Perspektivisch wird auch das Kundensport-Programm von Volkswagen Motorsport elektrifiziert: Im ersten Schritt werden unterschiedliche Disziplinen, Plattformen und Fahrzeugtypen untersucht und evaluiert. Parallel dazu läuft die Produktion des Golf GTI TCR für die Rennstrecke Ende 2019 aus, ein Nachfolger auf Basis der neuen Generation wird nicht angeboten. Hingegen bleibt der Polo GTI R5 fester Bestandteil im Kundensport-Angebot von Volkswagen Motorsport, er wird weiter für Kundenteams im Rallyesport produziert. Vom Standort Hannover aus werden Kundenbetreuung, Ersatzteilversorgung sowie die Konkurrenzfähigkeit des Polo sichergestellt, so die Motorsportler.