Das Thema der E-Mobilität ist das Laden

Wohl noch nie hat sich eine Automesse so sehr um die E-Mobilität gedreht wie die IAA 2019. Für die Besucher wirkt die Internationale Automobil-Ausstellung in diesem Jahr wie eine Automesse wie viele zuvor. Auf den zweiten Blick jedoch wird klar: Noch nie hat sich eine Autoshow so sehr um die E-Mobilität gedreht. Das Ziel im Volkswagen Konzern ist klar gesteckt: Bis 2050 soll das Unternehmen vollständig klimaneutral arbeiten. Der beste Weg für individuelle Mobilität seien E-Autos in Verbindung mit einer schnellen Energiewende, argumentiert Vorstandschef Herbert Diess: „Der Mensch braucht Mobilität, das gehört zu seinem Leben dazu.“

Fakt ist auch, dass keine Neuheit der IAA 2019 so viel Aufmerksamkeit bekam wie der ID.3 – das erste bilanziell CO2-neutrale Elektroauto der Welt. Aber: Nicht nur bei Volkswagen hat das E-Autos die Verbrenner beim Publikumsinteresse übertroffen. Porsche stellt den neuen Taycan vor – das sportlichste Elektroauto der Welt. Bei Audi zieht der e-tron ebenso die Blicke auf sich wie der AI:TRAIL quattro4, ein elektrisch angetriebener Offroader für den Verkehr der Zukunft. Aber auch die Konzern-Marken SEAT und Skoda punkten mit ihren E-Modellen: der SEAT Mii electric, die Studie SEAT e-born und der Skoda CITIGOe iV.

IONITY präsentierte seinen neuen Ladepark: das Gemeinschaftsunternehmen IONITY hatte sich vor zwei Jahren aus führenden Automobilhersteller zusammengeschlossen, um zusammen für eine bessere Ladeinfrastruktur an den europäischen Autobahnen zu sorgen. „Heute sind 140 Ladeparks in Betrieb und 50 weitere im Bau. Im nächsten Jahr werden wir unser Ziel von 400 Ladeparks in 24 Ländern erreichen“, sagt Michael Hajesch, CEO von IONITY.  Gerade erst hat die Kooperation von Volkswagen, Audi, Porsche, BMW, Daimler und Ford in Hyundai/Kia einen neuen Partner bekommen.

IONITY stellte jetzt eine weiterentwickelte Schnellladesäule vor, die das „Tanken“ für E-Auto-Fahrer noch unkomplizierter machen soll. „Das Menü ist überall in Europa in zehn Sprachen verfügbar, sodass die Nutzer die freie Wahl haben“, erklärt Hajesch. Mit einer Höhe von 2,60 Meter soll der „High Power Charger“ auf Rasthöfen sofort sichtbar sein, ein Leuchtring zeigt schon von weitem, ob er frei, reserviert oder besetzt ist. Die erste der neuen Ladesäulen geht in wenigen Wochen in Dänemark in Betrieb. Schon heute stammt der Strom von IONITY überall in Europa aus erneuerbaren Energien. Das 350-kW-Ladenetz ermöglicht kurze Ladezeiten von oft nur wenigen Minuten.

Überhaupt das Stromtanken: Nach den Autos dürften Schnellladesäulen und Wallboxen für zuhause die häufigsten Exponate auf der IAA 2019 sein. Beim Daimler fehlen sie ebenso wenig wie bei Ford. Volkswagen bringt zum Start des ID.3 den ID. Charger für die heimische Garage auf den Markt, mit dem sich die Erstauflage mit 58-kWh-Batterie in rund sechs Stunden komplett aufladen lässt. Einführungspreis: ab 399 Euro.

Audi startet Elektro-Offensive

Bis 2025 sollen 30 elektrifizierte Modelle angeboten werden

Audi zählt mit dem Volkswagen Konzern zu den ersten Automobilherstellern, die sich zum Pariser Klimaabkommen bekannt haben, bestätigt das Unternehmen und hat sich damit das ehrgeizige Ziel gesteckt, die fahrzeugspezifischen CO2-Emissionen bis 2025 sukzessive um 30 Prozent zu reduzieren – im Vergleich zum Referenzjahr 2015 und entlang des gesamten Produktlebenszyklus. Langfristig verfolgt Audi die Vision der CO2-neutralen Mobilität und will bis 2050 unternehmensweit bilanziell klimaneutral werden.

Audi setzt dabei auf das Elektroauto, „das in den großen Weltmärkten perspektivisch über die Lebensdauer die beste Klimabilanz aller Antriebsarten hat“, sagt der Hersteller. Den Startschuss für die Elektro-Offensive hat der Audi e-tron gegeben, der seit März 2019 beim Händler steht. Noch in diesem Jahr will das Unternehmen mit dem Auid e-tron Sportback ein weiteres Modell der Baureihe vor. Darauf folgen die Serienversionen des Sportwagens Audi e-tron GT concept, der von der Audi Sport GmbH produziert wird, und der Kompakt-SUV Audi Q4 e-tron concept. Bis 2025 will Audi 30 elektrifizierte Modelle anbieten, 20 davon werden rein elektrisch sein – der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge soll dann 40 Prozent des Gesamtabsatzes betragen.

Auch konventionelle Motoren entwickelt die Marke weiter und setzt auf durchgängige Mildhybridisierung und ein 48-Volt-Bordnetz. Plug-In-Hybride sind ebenfalls ein wesentlicher Teil der Elektrifizierungsoffensive. Dieses Jahr bringt Audi vier weitere PHEV-Modelle auf den Markt. Den Anfang machte der seit Sommer bestellbare Audi Q5 55 TFSI e quattro. „Wir bekennen uns zu den Pariser Klimazielen und werden unseren Beitrag dazu leisten, den globalen Temperaturanstieg auf weniger als 2 Grad zu begrenzen. Wir wollen führender CO2-neutraler Premiumanbieter werden. Das schließt klar die Verantwortung für unsere Produkte entlang ihres Lebenszyklus mit ein“, sagt Audi-Chef Bram Schot. Um das selbstgesteckte Etappenziel 2025 zu erreichen, hat Audi entlang der gesamten Wertschöpfungskette Maßnahmen definiert, die über den Zeitverlauf vollständig wirksam werden sollen.

Für viele Messebesucher sind Elektroautos noch eine unbekannte Größe –deswegen gehört auch das Erklären zu den prägenden Trends der diesjährigen IAA: Daimler etwa lässt seine Gäste per Tablet in den EQC 400 blicken, beim chinesischen Hersteller Byton können Interessenten per VR-Brille in das Elektro-SUV M-Byte steigen. Volkswagen gibt mit den ID. Insights Einblicke in den Antrieb und das Innenraum-Konzept des ID.3. Volkswagen hat die CO2-Bilanz der Pkw über den gesamten Lebenszyklus um 30 Prozent gegenüber 2015 verbessern: „Das ist extrem sportlich und auch mehr als der Gesetzgeber von uns verlangt.“ 2050 dann soll das Unternehmen komplett CO2-neutral arbeiten. „E-Mobilität ist aus unserer Sicht der Hauptweg, um CO2-Neutralität im Transportsektor zu erreichen“, sagt Ralf Pfitzner, Leiter Nachhaltigkeit bei Volkswagen. 

Dass der E-Antrieb keineswegs nur für neue Modelle geeignet ist – sondern auch für Oldtimer zeigt die Spezialfirma eClassics aus Baden-Württemberg. Sie hat  einen historischen Volkswagen Käfer nachträglich mit Komponenten des neuen e-up! elektrifizieren lassen. „Die Nachfrage ist da“, berichtet ein Mitarbeiter. Übrigens: Wer in die Umrüstung investiert, bekommt neben dem elektrischen Antrieb auch eine elektrische Servolenkung – früher wohl ein Traum vieler Autofahrer. Auch die Reichweite des bis zu 150 km/h schnellen e-Käfer kann sich sehen lassen. Sie liegt über 200 Kilometer – genug für einen entspannten Ausflug im elektrifizierten Oldtimer.