Die Vorstandsvorsitzenden Dr. Herbert Diess (Volkswagen Aktiengesellschaft) und Jim Hackett (Ford)

Volkswagen und Ford vertiefen ihre strategische Allianz

Die Ford Motor Company und die Volkswagen AG weiten ihre globale Zusammenarbeit aus. Sie umfasst nun auch die Bereiche Elektromobilität und das autonome Fahren in Verbindung mit  Argo Al – das auf dem US-Markt und in Europa eingeführt werden soll. Damit wollen beide Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, die Produkte noch besser auf die Wünsche der Kunden weltweit abstimmen und gleichzeitig die Kapitaleffizienz steigern.

In beiden Bereichen, E-Mobilität und autonomes Fahren, versprechen sich die Automobilhersteller Synergieeffekte. So will Ford seine E-Modelle auf Basis des von Volkswagen entwickelten Modularen E-Antriebsbaukasten (MEB) produzieren. Damit will der US-Autobauer ab 2023 in Europa mindestens ein rein batterieelektrisches Fahrzeug in hoher Stückzahl anbieten. Durch den Zugang zu der bereits von Volkswagen skalierten E-Architektur kann Ford sein Fahrzeug-Portfolio effizient ausbauen.

„Wir erweitern unsere Allianz mit Ford und haben dabei drei strategische Ziele im Blick. Zunächst einmal wollen wir den MEB als Industriestandard für Elektrofahrzeuge etablieren. Zweitens wollen wir Marktführer bei leichten Nutzfahrzeugen und mittleren Pickups werden. Und drittens wollen wir am schnell wachsenden Markt für Mobilitätsdienste teilnehmen“, sagt Herbert Dies, Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzern und erläutert weiter, „wenn die Fahrzeuge erst einmal autonom fahren, eröffnen sich viele neue Geschäftsmöglichkeiten.“

Fakt ist, dass Ford und Volkswagen zusammen im Jahr 2018 rund 16,7 Mio. Fahrzeuge verkauft haben – das verschafft einen großen Hebel und signifikante Skalenvorteile. Dies erklärt: „Und Größe macht einen Unterschied, sowohl bei der Elektromobilität als auch beim autonomen Fahren. Gemeinsam können wir globale Märkte nahtlos bedienen und unsere Automobilwerke besser nutzen, um die Lieferkette zu optimieren. Ford ist auch geostrategisch eine gute Ergänzung für uns. Wir stärken dadurch unsere Präsenz in den USA.“

Außerdem will sich der Volkswagen Konzern an der Ford-Tochter Argo AI beteiligen. Damit soll die Technologie für autonomes Fahren in den USA und Europa gemeinsam vorangetrieben werden. Volkswagen und Ford wollen das Self Driving System (SDS) von Argo AI dann unabhängig voneinander nutzen, um die jeweiligen Mobilitätsdienste auszubauen. Das SDS von Argo AI soll vollautomatisiertes Fahren nach SAE Level 4 bieten und insbesondere beim Ride Sharing und Lieferdiensten in Innenstädten neue Möglichkeiten eröffnen.

„Gerade bei selbstfahrenden Systemen steht die gesamte Branche vor den gleichen Herausforderungen: hohe Entwicklungskosten, fehlende globale Standards, Notwendigkeit einer qualitativ hochwertigen Sensorik, Antizipieren von Kundenwünschen und der Suche nach Talenten, um das Ganze überhaupt zu ermöglichen“, sagt Konzern-Chef Herbert Diess und erläutert weiter, „wenn wir die nötigen Investitionen teilen, können wir die hohen Kosten für die Entwicklung der Soft- und Hardware für autonome Fahrzeuge besser bewältigen. Wir erwarten Synergieeffekte von mehreren hundert Millionen Dollar. Unsere Kooperation wird auch die Entwicklung gemeinsamer Prüfkriterien und globaler Standards für autonome Fahrzeuge sowie die Zusammenarbeit mit Regulierungsbehörden weltweit erleichtern. Das wird unsere Chance verbessern, unseren SDS-Kit als eine der führenden technischen Lösungen der Zukunft zu etablieren.“

Unterwegs mit Radar und Laser

Da dürften die Hamburger staunen, wenn der weiße e-Golf eigenständig durch die Stadt fahren. Der Fahrer hat dabei nur in Ausnahmesituationen die Hände am Lenkrad. Denn hier wird das autonome Fahren getestet. Ein bisschen wirkt er wie ein Raumschiff, der umgebaute e-Golf mit all seiner Sensorik, der durch Hamburg fährt. Wohlgemerkt: ohne dass jemand die Hände am Steuer hat. Jedenfalls nicht direkt, ein speziell ausgebildeter Fahrer überwacht die Fahrt genau. Er kann jederzeit kontrollierend eingreifen. Das Fahrzeug soll Daten über autonomes Fahren liefern: Die verschiedenen Sensoren auf dem Dach, in den Kotflügeln, vorne und hinten, tasten die Umgebung mit Lasern ab, mit Radar, mit Ultraschall, mit Kameras.