Ein weiterer Meilenstein für die Elektromobilität von Volkswagen: In 6:05,336 Minuten umrundete der von zwei E-Motoren angetriebene ID.R die 20,8 Kilometer lange Nürburgring-Nordschleife – schneller als jedes Elektrofahrzeug zuvor. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 204,96 km/h unterstrich der ID.R mit Romain Dumas am Steuer erneut die hohe Leistungsfähigkeit des Elektroantriebs von Volkswagen. Der 500 Kilowatt (680 PS) starke, emissionsfreie Rennwagen ist der sportlicher Vorbote der vollelektrischen Serienfahrzeuge der ID. Produktfamilie von Volkswagen.

„Die Rundenzeit finde ich genial“

Im Gespräch mit Hans-Joachim Stuck, Ex-Rennfahrer (Formel 1, Sieger 24h von Le Mans, DTM) und seit 2012 Präsident des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB)

DIE AUTOSEITEN: Herr Stuck die Rekordrunde mit dem ID.R ist vollbracht. Was geht in Ihnen vor?

Stuck: Erstmal Hochachtung und Respekt vor Roman Dumas, weil das eine wirklich schwierige Aufgabe war. Denn gerade mit so einem leistungsstarken E-Auto auf der Nürburgring-Nordschleife die Rundenzeit zu fahren, dies ist schon gewaltig. Er hatte nicht viel Zeit gehabt sich darauf vorzubereiten. Mit dem ID.R Rennwagen ist ja vieles anders, es ist zum Beispiel schwierig bei der starken Beschleunigung die richtigen Bremspunkte zu suchen. Die Rundenzeit finde ich genial. Also wirklich Chapeau!

?: Haben Sie damit gerechnet, dass man unter sechs Minuten fährt?

 Stuck: Nein, wenn man in diesem Thema drin ist und auch die Aufteilung beziehungsweise die Telemetrie kennt, dann weiß man schon, wo es klemmt. Ich bin sicher: Wenn er noch einmal 10 bis 15 Trainingsrunden hätte, würde er unter sechs Minuten fahren. Das ist für einen Fahrer ja eine sehr schwierige Aufgabe, er hat das wirklich perfekt gemeistert.

?: Sie haben die Rekordrunde live miterlebt. Rückblickend sind Sie ja auch schon sehr viele Runden auf der Nordschleife gefahren.

Stuck: Der Nürburgring hat ja weltweit eine große Bedeutung und heute war der Rekord auf jeden Fall wieder ein Highlight für die Strecke und vor allem auch ein Meilenstein für die E-Mobilität. Mit dieser Leistung hier zu glänzen, dass ist toll. Vor allen Dingen, weil von diesem Erfolg ausgehend sicher auch technische Dinge in die Serie mit einfließen, weil die Strecke ein hartes und schnelles Prüffeld darstellt. Was man hier die Erfahrungen zur Batterie und zum Antrieb mitnimmt, dann kann man sicher vieles in die Serie der ID. Familie umsetzten. Das ist auch daher ein Meilenstein. 

?: Die E-Mobilität hält Einzug in den Motorsport. Der ID.R ist den Rundenrekord auf der Nordschleife gefahren. Zudem gibt es die Formel E, eine sehr spektakuläre Rennserie, die ausschließlich mit E-Antrieb befahren wird, in die Sie ebenfalls Einblicke haben. Wie sehen Sie da die Zukunft?

Stuck: Das Formel E-Rennen in Berlin war in den fünf Jahren seit denen ich dabei bin im Gesamten die beste Veranstaltung. Es wurde toll vom Publikum angenommen. Das Rennen war sehr spannend und man sieht über den Einstieg eines weiteren Herstellers, dass es langsam greift. Porsche gehört in der nächsten Saison 2019/20 auch mit dazu. Es gibt ja sehr viele Gegner der Formel E – manche sagen: Das sind Kaffeemühlen-Rennen. Doch da werden richtig Rennen gefahren! Vor allem ist da gerade bei der Formel E der Fahrer entscheidend im Hinblick auf Sieg oder Niederlage. Das finde ich wichtig. Die Formel E ist nicht nur dank ihrer Elektrifizierung Wegweiser in die Zukunft, sondern eben auch eine tolle Basis für richtig spannenden Motorsport.

Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, sagt:

„Die Nordschleife des Nürburgrings gilt nicht nur als weltweit anspruchsvollste Rennstrecke, sondern auch als ultimatives Testareal für Serienfahrzeuge. Der ID.R hat diese Herausforderung mit Bravour gemeistert und die schnellste emissionsfreie Runde aller Zeiten absolviert. Elektromobilität von Volkswagen trägt damit ab sofort das Prädikat ‚Nürburgring erprobt‘ als zusätzlichen Beweis ihrer hohen Leistungsfähigkeit. Ich gratuliere der Mannschaft von Volkswagen Motorsport und Fahrer Romain Dumas zum dritten Rekord für den ID.R.“

?: Denken Sie, dass die E-Autos in Zukunft auch im Tourenwagen-Sport Einzug halten? Dass es eine Rennserie geben wird, bei der Tourenwagen rein elektrisch angetrieben werden? 

Stuck: Das wird nicht mehr lange dauern. Wenn man sich den TCR zum Beispiel anguckt. Jaguar macht es ja mit dem E-Pace Cup im Rahmen der Formel E vor. Das ist ein Anfang und ich glaube vor solchen Dingen dürfen wir uns nicht verschließen. 

?: Sie sind Präsident des Deutschen Motorsport Bundes. Welchen Stellenwert hat die E-Mobilität im Motorsport?

Stuck: Einen sehr Großen. Wir beschäftigen uns ja gerade beim Thema Nachwuchs mit dem E-Kart, was wir mit lancieren, denn wir wollen auch die Jugend dahin führen. Der Nachwuchs kommt ja aus dem Kart-Motorsport – das ist eine coole Geschichte. Vor allem kann man den Motorsport so auch in die Städte holen, denn Kart Bahnen liegen meist außerhalb. Hier kannst du in Städten fahren, weil du keine Lärmbelästigung hast. Das ist ein wichtiger Schritt. Wir hoffen künftig auf ein bisschen mehr Zuspruch. Es ist auf jeden Fall der richtige Weg, der uns heute sehr beschäftigt.   

?: Fahren Sie im öffentlichen Straßenverkehr auch ein E-Auto?

Stuck: Ich fahre ein Plug-In-Hybrid Auto, das ist für mich die optimale Lösung, weil man in Umweltzonen elektrisch fahren kann. Doch wenn ich von Tirol nach Wolfsburg fahren muss, brauche ich gleichzeitig nirgendwo Strom aufladen. In Österreich ist das ganz clever geregelt. Bei allen Hybridfahrzeugen, die man kauft, spart man 90 Prozent NoVa (Normverbrauchsabgabe wird bei der erstmaligen Zulassung fällig, d. Red.). Das ist viel Geld, hier hat Österreich wirklich etwas Gutes gemacht.