Die erste E-Generation auf dem deutschen Markt: electric drive von smart

Elektroantrieb nahezu verschleißfrei und schmierstofffrei – Inspektion der Zukunft wird eine Software basierte Datenanalyse

Die Elektro-Mobilität nimmt immer mehr Fahrt auf. Diese Entwicklung könnte der Gebrauchtwagenmarkt in Zukunft zusätzlich beschleunigen. Fakt ist, dass der Kauf eines gebrauchten Elektroautos noch unbekanntes Terrain ist. „Elektroautos sind inzwischen für jeden was. Gerade Pendler mit täglich hohen Laufleistungen können viel Geld sparen. Und: E-Autos machen Spaß“, sagt Volker Blandow, Global Head E-Mobility TÜV SÜD. Umweltfreundlich und effizient – viele Gründe sprechen aus Verbrauchersicht für das Elektroauto. Zudem sind E-Autofahrer an der Ampel schneller als alle anderen – und das ohne lokale Emissionen und mit weniger Lärmemissionen. Die Zukunft verspricht: mit einer immer besser ausgebauten Schnellladeinfrastruktur und schnelle Ladesäulen (High Power Charging) können selbst Tagesetappen von 700 km mit etwas Planung kein Problem werden. Und der Preis? Warum nicht nach einem Gebrauchten schauen. Das Ergebnis einer spontanen Internetrecherche zeigt jedoch: Mit rund 20.000 Treffern ist das Angebot an gebrauchten Elektroautos und Hybriden nicht sehr groß. „Inzwischen gibt es Händler, die sich auf Elektroautos spezialisiert haben. Gerade bei Modellwechseln gibt es hier oft gute Konditionen – die Entwicklung ist ja derzeit sehr dynamisch“, sagt Blandow. Laufleistung, Ölverlust, Bremse und Lenkung: Diese Punkte beim Kauf eines Verbrenners sind Autofahrern geläufig. Gelten fürs Elektroauto dieselben Regeln? Volker Blandow erläutert: „Die Laufleistung spielt beim Elektrofahrzeug, zumindest für die Zuverlässigkeit des Antriebsstrangs, eine untergeordnete Rolle. Eine Million Kilometer oder mehr sind kein Problem – und das komplett wartungsfrei und praktisch ohne nennenswerten Verschleiß.“ Die Bremsen halten beim Stromer in der Regel ebenfalls länger. Dafür sorgt die Rekuperation, bei der die „Motorbremse“ Energie in die Batterie zurückführt und dabei für einen ordentlichen Bremseffekt sorgt – ohne dafür das Bremspedal zu treten. Dagegen sollten Kaufinteressenten die Komponenten wie das Ladekabel oder die Ladebuchse genauer unter die Lupe nehmen: „Allgemein bietet sich beim Elektrokauf eine Überprüfung beim markenspezifischen Händler an“, rät Blandow. Was ist mit der Batterie? Der Akkumulator ist die wichtigste und teuerste Komponente im Elektroauto. Ihr Zustand steht ganz oben auf der Checkliste beim Kauf eines Gebrauchten. Die Fahrzeugelektronik sorgt zwar grundsätzlich dafür, dass die Batterie vor zu hohen Belastungen geschützt ist. Trotzdem haben beispielsweise Art und Häufigkeit der Ladungen Auswirkungen auf Haltbarkeit und Leistung. Markenhändler können in der Regel einen Zustandsbericht zur Batterie im Fahrzeug generieren. Darin werden zum Beispiel die Anzahl der Schnellladevorgänge gezählt und es wird die Restkapazität ermittelt. „Die Werte geben erste wichtige Hinweise für Interessenten und die Prüfung sollte auf jeden Fall durchgeführt werden. Den wirklichen Gesundheitszustand kann man aber nur durch umfangreiche Messungen ermitteln,“ weiß Blandow  Also lieber gleich die Finger weglassen? „Nein“, sagt E-Mobilitäts-Experte Blandow. „Unsere Erfahrung ist, dass die Batterien sogar besser halten, als viele Hersteller sagen. Nach mehr als 200.000 Kilometern Laufleistung und sieben bis acht Betriebsjahren sind viele Akkus häufig noch mit 80-90 Prozent ihrer Anfangskapazität in Betrieb. Daraus ergibt sich eine hohe Festigung der Zyklen und eine sehr geringe Alterung.“ Grundsätzlich raten die TÜV SÜD-Experten zu einem Auto, das regelmäßig gefahren wurde. „Das ist fast wie bei einem Verbrennungsmotor, wenn das Fahrzeug oft wochenlang nicht bewegt wird“, versichert Blandow. Wo soll man sein E-Auto laden? Nur in absoluten Notfällen an der normalen Steckdose. Eine 11 kW-Wallbox in der Garage oder am Parkplatz ist da sehr empfehlenswert. Damit lassen sich alle Fahrzeugtypen sinnvoll laden. Aktuelle Elektroautos haben in der Regel größere Batterien mit 11 kW oder optional sogar 22 kW-Ladern verbaut. Elektroautos der ersten und zweiten Generation hatten dagegen meistens nur einen 3,7 kW-Lader, der sogar an einer einzelnen Phase betrieben werden kann. Für schnelleres Laden mit Gleichstrom steigt die Zahl der öffentlichen Schnelllader quasi täglich, auf Autobahnen werden die superschnellen Ladestationen (HPC 150) aktuell flächendeckend errichtet. Die meisten gebrauchten E-Autos können diese allerdings nur bis zur Grenze von 50 kW nutzen, da nur neuere Modelle diese hohen Ladeströme nutzen können. Aber selbst bei 50 kW reichen 15-20 Minuten für mindestens 100 weitere Kilometer.  Die Batterietechnologie ist winterfest: Länder wie Norwegen machen’s vor: Mehr als 40 Prozent der Neuwagenkäufer entscheiden sich dort inzwischen für den Kauf eines Elektroautos (2018). Wer das Fahrzeug daheim lädt, sollte es vorheizen so lange es noch an der Steckdose hängt, das lässt sich bequem per App vom Frühstückstisch aus erledigen, dann startet man warm und mit voller Batterie. Sitz- und Lenkradheizung verbrauchen weniger Energie als die Innenraumheizung, die dann ein paar Grad niedriger eingestellt werden kann, ohne dass es an Behaglichkeit mangelt. Neuere Fahrzeuge nutzen effizientere Heiztechnik wie Wärmepumpen, hier sollte man den Verkäufer um Rat fragen. Bei ganz extremer Kälte büßt die Batterie an Dynamik ein, das heißt, es lässt sich nicht ganz so dynamisch beschleunigen wie gewohnt und auch die elektrische Bremsleistung kann sich leicht verändern. Dennoch versichert Blandow: „Keine Sorge, die Beschleunigung ist immer noch zügiger als mit jedem Verbrenner!“ Mit diesen Informationen sollte man problemlos ein Elektroauto kaufen können. Je mehr die Fahrdynamik elektrisch und elektronisch geregelt wird, desto weniger mechanische Komponenten, wie Differentiale und Getriebe, werden überhaupt noch benötigt. Wenn zwei Elektromotoren – nah an der Achse – verbaut werden, kann selbst ein Differential elektronisch simuliert werden. Damit lässt sich ein Elektroantrieb nahezu verschleißfrei und auch schmierstofffrei betreiben – ein zusätzliches Plus für den E-Autofahrer. Denn die Inspektion der Zukunft wird beim Elektroauto im Wesentlichen eine Software basierte Datenanalyse sein. Bei Fahrzeugen, die ihre Daten in die „Cloud“ liefern, entfällt eigentlich sogar dieser Schritt. Die Mobilität mit dem Pkw wird problemloser und nahezu wartungsfrei. Ansonsten gelten die gleichen Regeln wie beim konventionellen Gebrauchtkauf auch. Allgemeinzustand und Laufleistung sind (außer was den Motor betrifft) natürlich weiter ein Kriterium. Einzelne Bauteile, wie etwa Stoßdämpfer, verschleißen genauso wie beim Verbrenner. „Lediglich die Reifen sind ein Thema. Das extrem hohe Drehmoment sorgt für erhöhten Verschleiß – schlicht, weil der Ampelstart so viel Spaß macht“, erläutert Volker Blandow, Global Head E-Mobility TÜV SÜD.

Der BMW i3 aus dem Jahr 2014 zählt zu den ersten Serien-E-Autos