Volkswagen unterstützt das Motorsport-Team „Girls Only“ 

Motorsport gilt immer noch als männliche Domäne. Jetzt fordert ein rein weibliches Team im Golf GTI TCR die Konkurrenz heraus – unterstützt von Volkswagen. Der Golf GTI TCR hat an diesem stürmischen Morgen schon die zweite Runde auf der Nordschleife des Nürburgring hinter sich. Jetzt rollt er an die Box: und sofort schwirren die Teammitglieder los, um ihn für die dritte Runde fit zu machen – am besten in Rekordgeschwindigkeit. Janine rollt die Druckluftflasche ran, fährt das Auto hoch, über die eingebaute Hebeanlage. Lisa tankt nach. Corinna und Tamara checken den Reifendruck, füllen die Listen aus, während Chiara und Sarah zu zweit unterm Wagen liegen und an den Stabilisatoren schrauben. Jasmin, die Fahrerin, nimmt den pink-weißen Helm ab, atmet kurz durch, bis Teamchefin Ellen das Signal gibt: „Alle fertig? Weiter geht’s.“

Obwohl wir im Jahr 2019 leben, obwohl „Frauen am Steuer“-Witze heute mindestens so vergammelt schmecken wie alte Kekse aus den 80er-Jahren, ist es schon eine Überraschung, wenn man in einer solchen Boxenstopp-Szene nur weibliche Personen sieht. Janine, Lisa, Corinna und die anderen insgesamt 20 jungen Frauen, die an diesem Trainings-Samstag den GTI TCR auf die Nordschleife bringen, sind das Motorsport-Team „Girls Only“. Und das ist ihre Geschichte. Als Carrie Schreiner (20) ihren Führerschein macht, brachte sie ihren Lehrer an den Rand des Wahnsinns. Wie sehr er sie auch ermahnt, sie fährt zu schnell auf Kreuzungen zu, bremst zu spät, legt das Fahrschulauto viel zu rasant in die Kurven. Der Rennfahr-Instinkt lässt sich nicht abschalten, keine Chance. Die Prüfung besteht sie trotzdem. Sie begann früh mit dem Kartsport, fuhr bald Rennen, landete immer weiter vorn. Dann, mit Führerschein, wurde es noch ernster. 2018 gewann sie unter anderem ein Rennen beim Porsche Sports Cup in Spielberg. Das erste Mal, dass hier eine Frau die Männer lahm aussehen ließ. Mit 20 ist Carrie ein Speed-Star. Wie gesagt: Frauen wie Carrie sind im Motorsport selten.

Ein Team, das in allen Positionen mit Frauen besetzt ist, aber sich in einer Rennklasse mit Männerteams misst – das war im Frühjahr 2018 die Idee von Nicole Willems. Ihr Mann Thorsten ist neben Thomas Rehlinger einer der Geschäftsführer des Rennstalls WS Racing aus Trierweiler, gemeinsam entwickelten Nicole und er das „Girls Only“-Konzept – unterstützt von Volkswagen und dem Reifensponsor Giti Tires soll die Frauen-Truppe zuerst an drei Läufen zur VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring teilnehmen und dann, als Saison-Höhepunkt am 22. und 23. Juni 2019, am ruhmreichen ADAC TOTAL 24h-Rennen auf der Nordschleife. 

Speed-Star: Carrie Schreiner ist eine von vier Pilotinnen

„Girls Only“-Teamchefin Ellen Lehmann gibt Anweisungen

Das Casting begann im Herbst 2018, seit März steht das Team. Zur einen Hälfte Rennsport-Frischlinge, zur anderen Hälfte ausgefuchste Asphalt-Queens wie Carrie Schreiner. „Die meisten finden, Girls Only’ cool“, sagt Carrie. „Wir setzen ja nicht einfach vier Hühner auf ein Auto. Wir verschaffen uns Respekt. Wir beißen uns durch.“ Was macht die Arbeit in einem komplett weiblich besetzten Team so besonders? „Frauen sind ein bisschen sorgfältiger, achten mehr aufs Detail“, sagt Lisa Mohr. „Vielleicht dauert bei uns am Anfang deshalb manches noch ein bisschen länger.“ Das wird sich bald ändern, wenn das Feintuning vollendet ist, wenn alle Rädchen bei „Girls Only“ mehr oder weniger perfekt ineinandergreifen. „Am Anfang ist es ja immer so, dass einem die Jungs noch zuzwinkern“, erzählt Jasmin Preisig, 26, die viele Rennen gefahren ist. „Aber wenn du dann schneller fährst als sie – dann sind sie beleidigt. Und reden nicht mehr mit dir.“

Beim ersten Rennen der VLN Langstreckenmeisterschaft Ende März sind die Girls übrigens schon schneller gefahren als die meisten anderen – und in ihrer Klasse auf dem zweiten Platz gelandet. Nach den zwei Läufe im April folgt Mitte Mai das ADAC-24h-Qualifikationsrennen. Was sie sich fürs 24-Stunden-Finale Ende Juni vorgenommen haben? Wen man im „Girls Only“-Team auch fragt, das beantworten alle gleich: Durchkommen. Respektabel abschneiden. Was immer das genau heißen wird. „Wir verfolgen alle dasselbe Ziel, ziehen alle am selben Strang“, sagt Ellen Lehmann.

Als einmaliges Einsatz-Team sei „Girls Only“ nicht gedacht, kommentiert der Rennstall WS Racing: Dafür seien der Aufwand und die Investition fürs Team-Building viel zu groß. Allerdings sei es wichtig, die Mädchen Stück für Stück aufzubauen, nichts zu überstürzen. Wenn der Traum 2019 also wahr wird, wenn es am Nürburgring ein reines Frauen-Rennteam gibt – dann könnte mit diesem Team noch so einiges passieren.