Immer mehr Fahrschüler rasseln durch die Führerscheinprüfung

Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) erwies sich 2017 die theoretische Prüfung für knapp 37 Prozent der Fahranfänger als unüberwindliche Hürde – die praktischen Prüfungen bestanden 28 Prozent der Bewerber nicht. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor lagen diese Werte noch bei 34,8 und 26,6 Prozent. Laut Statistik fielen im Jahr 2017 insgesamt 39 Prozent der Fahranfänger bei der Führerscheinprüfung durch.

Eine mögliche Erklärung für die steigende Zahl der Fehlversuche bei der Führerscheinprüfung könnte nach Ansicht der Fachleute darin zu suchen sein, dass der Verkehr immer komplexer geworden ist. Damit stiegen zwangsläufig die Anforderungen – nicht nur – an die jungen Fahrzeuglenker. Zudem bringt die steigende Komplexität des Verkehrsgeschehens auch mehr mögliche Fehlerquellen mit sich. Allerdings bemängeln Fahrlehrer bei ihren „Auszubildenden“ auch eine abnehmende Bereitschaft, sich ausreichend auf die Prüfung vorzubereiten. Die Zahl der Zocker, die ohne groß zu pauken erst einmal auf gut Glück in die theoretische Prüfung gingen, um sie gegebenenfalls zu wiederholen, habe zugenommen, berichten die Fahrschulen – und in diesem Zusammenhang weisen die TÜV-Verbände auf die zunehmenden Täuschungsversuche bei der Führerscheinprüfung hin.

Die zum Teil ausgesprochen laxe Vorbereitung auf die Prüfung finden viele Experten umso erstaunlicher, als die Fahrausbildung mit nicht zu geringen Ausgaben verbunden ist. Hintergrund: Laut TÜV soll ein Autoführerschein im Mittel mindestens 1.800 bis 2.200 Euro kosten. Ausschlaggebend für ein Scheitern in der Theorieprüfung kann nach Einschätzung von Psychologen ebenfalls sein, dass sich die Art zu Lernen im Laufe der Zeit verändert hat: Auswendiglernen, wie es etwa für die theoretische Führerscheinprüfung gefordert wird, ist heute nicht mehr so gefragt. Stattdessen geht es inzwischen mehr um Verstehen, um Wissensmanagement. Das kann zwar in der Fahrschule auch zum Teil helfen, doch bei den Verkehrsregeln gibt es nichts zu hinterfragen, die müssen nur gepaukt werden – und das sind offenbar einige junge Menschen nicht mehr gewohnt.

Einen möglichen Grund für die steigenden Misserfolgsquoten bei der Fahrprüfung sehen Verkehrsexperten auch in der gewachsenen Zahl von Führerscheinkandidaten, denen es an den notwendigen Deutschkenntnissen fehlt. Insbesondere der theoretische Teil der Fahrprüfung bedeute für viele Migranten eine größere Herausforderung als für deutsche Muttersprachler, konstatieren die Ausbilder. Diese Menschen müssten sich zudem über die Sprachschwierigkeiten hinaus auch häufig mit einer anderen Verkehrskultur auseinandersetzen, berichten die Fahrlehrer.