Bernhard Bauer im Gespräch mit DIE AUTOSEITEN – der Geschäftsführer der SEAT Deutschland GmbH ist auch verantwortlich für die neue Marke CUPRA.

„Wir haben keine Berührungsängste zwischen SEAT und CUPRA“

DIE AUTOSEITEN: Herr Bauer Sie sind Geschäftsführer der SEAT Deutschland GmbH und gleichzeitig auch zuständig für die Marke CUPRA. Wie unterscheiden sich die Markenkerne?

 Bernhard Bauer: SEAT ist die junge, urbane Marke und im Grunde auch die Eroberungsmarke im Volkswagen Konzern. Wir stellen fest, dass unsere Kunden im Durchschnitt zehn Jahre jünger sind als die des Wettbewerbs und damit kriegen wir die Chance Kunden von außen für den Konzern zu erreichen. Bei CUPRA ist es ein bisschen anders. CUPRA zeigt wo das Potential oberhalb von SEAT ist. Wir wollen damit also auch Leute erreichen, die bewusst keinen SEAT haben möchten oder mehr als einen SEAT haben wollen. Es gibt drei Begriffe, die wir in den Vordergrund stellen: Das eine ist die Uniqueness, also Einzigartigkeit, was wir mit CUPRA erzielen wollen. Und Sophisticated lässt sich schwer ins Deutsche übersetzten, aber im Grunde geht es hier um das Besondere, Ungewöhnliche und letztendlich auch um die Performance. Das heißt CUPRA kommt vom Motorsport und hat die DNA im Motorsport – da ist die Performance natürlich der Markenkern. Wir reden hier von immer sportlichen Autos, die das Ganze natürlich auch auf die Straße bringen.

 ?: CUPRA feiert sein einjähriges Jubiläum.

 Bauer: Ja, kann man so sagen. CUPRA ist eigentlich schon älter, aber wir haben den Ateca mit dem neuen Logo vor einem Jahr gezeigt. Heute haben wir tatsächlich mit dem CUPRA Formentor einen würdigen Nachfolger und ein neues Produkt, das so auch nur als CUPRA zur Verfügung steht.

 ?: Es ist immer eine Herausforderung eine neue Marke auf dem Markt zu etablieren. Wie wollen Sie das machen?

Bauer: Es geht hier um zwei Dinge: Das eine ist die Marke zu etablieren und das andere die Autos zu verkaufen. Im Moment ist es tatsächlich einfacher die Autos zu verkaufen. Als Beispiel: Innerhalb der Ateca Reihe ist jeder dritte verkaufte Wagen ein CUPRA, was ein enormes Volumen ist. Wir erwarten dieses Jahr in Deutschland rund 10.000 CUPRA zu verkaufen – eine enorme Zahl für so ein spezielles Produkt. Die Marke muss natürlich leben, sich etablieren und über Jahre reifen. Eine Marke braucht Glaubwürdigkeit. Sie muss sich mit jedem neuen Produkt bestätigen und wenn wir über die Marke CUPRA reden, dann sprechen wir über einen Zeitpunkt von fünf bis zehn Jahren um zu sehen wie sich die Marke tatsächlich manifestiert hat. Heute haben wir sie positioniert. Ich denke, dass kann gerade der neue CUPRA Formentor sehr gut, aber um die Marke wirklich zu etablieren, braucht man Zeit.

?: Welche Zielgruppe sprechen Sie mit CUPRA gezielt an?

 Der CUPRA Kunde muss ein bisschen älter sein als der SEAT Kunde, weil die Fahrzeuge etwas teurer sind – also Einkommen und Alter stehen hier im Verhältnis zueinander. Es sind die Leute, die sich abheben und das Besondere haben wollen. Menschen, die ein sportliches Auto haben wollen und bereit sind dafür auch ein bisschen mehr auszugeben. 

 ?: Sie sprachen es schon an: CUPRA ist als Begriff ja nicht neu. Es gibt einen SEAT Leon CUPRA und demnächst den CUPRA Leon. Wie werden Sie dies dem Kunden erklären?

 Wir haben keine Berührungsängste zwischen SEAT und CUPRA. Wir bauen keine Mauern dazwischen. Wenn wir mal zurückschauen: Es waren immer die sportlichen Autos. Gerade der SEAT Leon als CUPRA war immer das sportlichste Auto in seiner Dimension. Wir haben letztes Jahr  6.000 Leon CUPRA auf dem deutschen Markt verkauft. Also auch für so ein Zielgruppenauto ein relativ hoher Wert im Verhältnis zu anderen Wettbewerbern.

?: Und beim Händler?

 Bauer: Beim Handel sieht es so aus, dass jeder Händler die Berechtigung hat CUPRA zu vermarkten und zu verkaufen. Dann haben wir aber noch einmal 100 ausgesuchte Händler in Deutschland, die sich auf die Marke CUPRA spezialisiert haben. Die stellen wir auch optisch ein bisschen eigen dar indem wir bei den Händlern die CUPRA Corner installiert haben. Die Autos werden also noch einmal gezielt anders ausgestellt. Außerdem haben wir geschultes Personal, das speziell ausgebildet ist und z.B. sicherstellt, dass Vorführwagen da sind und ein besonderer Service geboten wird umso den Erwartungen des CUPRA Kunden auch gerecht werden zu können.

?: Im ersten Jahr haben Sie den CUPRA Ateca im Markt eingeführt, der eine starke SEAT DNA hat. Auf dem Automobil-Salon in Genf stellte CUPRA den neuen Formentor vor – das erste eigenständige Modell. Wann werden wir ihn in Deutschland beim Händler sehen?

Bauer: Der Formentor ist tatsächlich der erste echte eigenständige CUPRA. Das Auto, was wir hier in Genf präsentiert haben, ist im Prinzip fast das fertige Auto. Es wird im nächsten Jahr beim Händler stehen.

?: Wird auch die Elektromobilität eine Rolle bei der jungen Marke CUPRA spielen? Auch vielleicht um die Brücke zum Motorsport zu schließen?

Bauer: Unbedingt! Ein modernes Auto ohne moderne Antriebskonzepte gibt es nicht mehr. CUPRA wird immer das Performance-Auto sein, also das starke und leistungsfähige Auto im Hause. Allerdings bieten wir hier auch eine schöne Alternative als Plug-in Hybrid an. Das heißt, dass ein Benzinmotor mit einem Hybridmotor kombiniert wird. Zusammen haben sie 245 PS, also eine sehr ordentliche Fahrleistung. Der Elektromotor hat immer ein super Drehmoment, wie wir wissen und bringt natürlich auch tolle Schadstoffwerte zustande. Aber darüber hinaus wird es auch einen konventionellen, starken Motor geben.

?:Sie sprachen eben über die Markenziele der jungen Marke CUPRA. Vor allem wenn man fünf oder zehn Jahre in die Zukunft blickt. Werden Sie in jedem Jahr ein neues Modell auf den Markt bringen?

Bauer: Das lässt viel Denksport zu und es zeigt welche Potentiale vorhanden sind. Wir haben schon erwartet, dass der CUPRA Ateca gut ankommen wird, aber das heute jeder dritte bestellte Ateca ein CUPRA ist, so optimistisch war nicht einmal ich. Man kann auch in die Zukunft blicken und schauen: Was würde gehen? Also ich könnte mir auch vorstellen beispielsweise einen Elektro CUPRA zu haben. Drehmoment und Performance ist ein wichtiger Aspekt beim Thema Elektromobilität. Ich könnte mir auch kleinere Autos vorstellen oder das es weiterhin Derivate von CUPRA gibt. Bis hin zur Entscheidung ob CUPRA immer ein Auto sein wird oder ob es, und das möchte ich ebenfalls nicht ausschließen, auch eine CUPRA Designlinie geben könnte.

?: Sie sprachen eben den Motorsport an. Welche Rolle wird der Motorsport zukünftig im Umfeld der Marke CUPRA spielen

Bauer: CURPA ist und kommt aus dem Motorsport. Das heißt ohne Motorsport wären wir nicht glaubwürdig. Aber im Motorsport passiert das, was in der Autoindustrie auch sonst passiert: Elektrifizierung spielt eine immer größere Rolle. Wir haben den CUPRA E-Racer, also ein E-Modell, das auch Rennen fahren kann. Was uns bei den Autos immer sehr wichtig ist, ist deren Zugänglichkeit. Schon beim Leon konnte man sich einen Cup Racer für einen doch im Verhältnis für in Sportwagenkreisen relativ erschwinglichen Preis anschaffen und damit auch internationale Rennen fahren. Das soll auch so bleiben. Wir wollen weiterhin erschwinglich sein. Wenn wir Motorsport betreiben, dann soll es bezahlbar sein, sodass auch interessierte Privatpersonen Motorsport betreiben können.

?: Erschwinglich ist das Stichwort bezüglich der Wirtschaftlichkeit der Marke. Spüren Sie da einen Druck auf Deutschland, dass gewisse Verkaufszahlen umgesetzt werden müssen?

Bauer: Wir sind ein renditeorientiertes Unternehmen. Das heißt wir möchten natürlich unsere Fahrzeuge auch auf den Markt bringen. Ich denke, dass wir dieses Jahr etwa 10.000 vielleicht auch mehr CUPRA auf den Markt bringen können, was schon eine sehr ordentliche Zahl ist. CUPRA ist dahingehend auch leicht erklärt. CUPRA liegt irgendwo zwischen den Segmenten Volumenmarken und Premiummarken. Wir sagen gezielt: Wir sind mit CUPRA keine Premiummarke. Zwischen Volumen- und Premiummarke ist einfach noch eine Menge Platz und da passt CUPRA scheinbar gut rein. Das kriegen wir im Moment auch aus dem Handel bestätigt.

?: Das heißt abschließend Herr Bauer Sie sind mit der Einführung der Marke CUPRA in Deutschland zufrieden?

Ich glaube ich kann das uneingeschränkt bejahen.