Mit dem T-Roc R will Jost Capito, Geschäftsführer der Volkswagen R GmbH, die Marke emotionalisieren.

Die Volkswagen R GmbH will in Zukunft wachsen und Emotionen wecken

DIE AUTOSEITEN: Herr Capito Sie sind wieder in Wolfsburg, Sie sind ja sozusagen in die Heimat zurückgekehrt….

Jost Capito: Na ja, ich bin jetzt das erste Mal in Wolfsburg. Ich war vorher bei der Volkswagen Motorsport GmbH in Hannover – Hannover und Wolfsburg sind zwei unterschiedliche Welten.

?: Wie unterscheiden die Welten sich denn?

Capito: Motorsport ist schon sehr speziell. Man ist ziemlich abgekoppelt, weil man auch nicht den direkten Bezug zur Serie hat. Bei der R GmbH arbeiten wir ja immer mit Serienautos, die sind die Basis für die R-Line Modelle. Beim Motorsport ist das eben anders. Beispielsweise bei einem WRC-Auto muss man schon die Karosse nehmen und hat dadurch den Kontakt zur Volkswagen AG, der aber sehr beschränkt ist. Bei den Performance-Modellen ist das komplett anders, weil man hier das Basisauto nimmt und es dann zu einem Performanceauto machen muss. Von daher arbeiten wir natürlich sehr viel mit den Baureihen, dem Design und auch mit den Fachabteilungen zusammen. Wir haben bei der R GmbH die Spezialisten für die Performance, aber das ist eine relativ kleine Truppe. Deswegen ist die Zusammenarbeit mit der Volkswagen AG wichtig. Wir haben zum Beispiel keine Prüfstände und keine Testinfrastruktur, die nutzen wir alles von der AG. Von daher ist es gut, dass wir nur zehn Minuten entfernt sind. Wir können also alles von der Volkswagen AG verwenden, uns aber gleichzeitig auf den Performance-Anteil beim Auto spezialisieren.

?: Derzeit ist es um die Volkswagen R GmbH ruhiger geworden. Werden Sie neue Impulse setzen?

Capito: Das ist die Ruhe vor dem Sturm: Der T-Roc R ist unser erster SUV. Die R-Modelle waren eigentlich in der Vergangenheit sehr am Golf orientiert und damit sehr erfolgreich. Das fing mit dem Golf R32 an, der ist etwa 5.000-mal gebaut worden. Also eine relativ kleine Stückzahl, aber es ist das Modell das viele kennen. Wenn man über R-Modelle spricht, dann über den Golf R32. Das war wirklich eine Ikone, die im Prinzip die Marke gebildet und geprägt hat. Dadurch war der Golf immer das vorherrschende Modell, auch heute noch. Das ist auch gut so, denn das ist der Kern der Marke Volkswagen. Wir haben jetzt den Golf R der siebten Generation über 100.000-mal verkauft. Für ein Performance-Auto ist das eine hohe Anzahl. In der Zukunft werden wir dies weiterbauen. Jetzt kommt mit dem T-Roc der erste SUV um zu zeigen, dass R und Performance auch beim SUV funktioniert. Auch auf der Basis von einem erschwinglichen SUV und für ein Volumenmodell. Im Moment sind wir da konkurrenzlos. Es gibt kein SUV Volumenmodell mit dieser Basis auf dem Markt ist. Wir glauben das ist der richtige Schritt und werden in der Richtung noch weitergehen, sodass wir die Modellpalette weiter ausbauen können.

?: Sie haben den Vorteil, dass Sie als GmbH ein autarkes Unternehmen gegenüber AG sind. Sie sind nicht im großen Konzern integriert, können so schneller reagieren. Sind Sie bei der Entwicklung von neuen Fahrzeugen auch von Anfang an schon mit eingebunden?

Capito: Immer mehr. In der Vergangenheit gab es immer noch Möglichkeiten die Fahrzeuge größer und stärker auszulegen als die Serie geplant war. Das funktioniert so nicht mehr. Man muss jeder Gramm CO2 sparen. Das heißt schon die Auslegung ist absolut CO2 orientiert. Wir müssen sehr früh in den Projekten dabei sein, um unsere Einflüsse entsprechend dort geltend zu machen, wo es möglich ist. Das geht nicht überall, aber dann wissen wir schon im frühen Stadium wo wir Nachholbedarf haben und wo wir speziell was für Performance-Fahrzeuge machen müssen. Gleichzeitig haben wir aber wie gesagt, auch schon unseren maximalen Input ins Basisfahrzeug. Das beginnt schon bei der Konzeption.

?:Leistung ist nicht alles. Der neue T-Roc R hat 300 PS. Ist das in dem Segment eine Schallmauer? Anders gesagt: Was möchte der Kunde in dem Segment?

Capito: Ich glaube für einen Großteil der Kunden sind 300 PS viel Leistung. Für die meisten Kunden, wenn man sieht welche Autos verkauft werden, sind 300 PS immer noch viel Leistung. Der serienmäßige Allradantrieb und der 2,0-Liter Turbomotor sind bezeichnend für die R-Modelle. Um wirklich ein gutes Projekt zustande zu bringen, braucht man auch ein entsprechendes Volumen. Bei den sehr kleinen Fahrzeugen ist das Volumen einfach nicht da um daraus ein R-Modell zu machen, was den Anforderungen genügt, die wir an ein R-Modell stellen. Das heißt: Alles ab Golf nach oben ist möglich. Wenn man sagt: Will ich jetzt den Passat oder den Atreon nehmen, dann wird man sich eher für den Arteon entscheiden. Die Frage ist auch: welches Programm würde sich rechnen? Wo macht ein R-Modell Sinn? Und natürlich geht es darum welche Fahrzeuggröße die Kunden als R-Modell haben wollen. Da kann man in Zukunft wirklich noch einige schöne R-Modelle erwarten.

 ?: Darf man sich auf den neuen Golf R der achten Generation schon freuen?

 Capito: Ich freu mich drauf.

Jost Capito, Sprecher der Geschäftsführung Volkswagen R GmbH, im Gespräch mit DIE AUTOSEITEN   

?: Waren Sie bei diesem Modell schon von Beginn in den Entwicklungsprozess mit einbezogen?

Capito: Ja, man muss ich dies bei Volkswagen so vorstellen: Erst kommt die Plattformung, dann gibt es die Modelle. Wir waren da beim Modell sehr früh involviert und jetzt sind wir auch schon bei der Plattformung miteingebunden. Da wir beim Golf 8 schon früh involviert waren, kann man sich da wirklich auf einen tollen neuen Golf R freuen.

?: Die R-Modelle gibt es ausschließlich mit Allradantrieb. Ist das eine Philosophie des Unternehmens?

Capito: Ja, für uns ist gesetzt, dass der R einen sportlich abgestimmten Allrad hat.

?: Jetzt gibt es bei Ihnen noch die profitable Sparte der R-Line Ausstattung….

Capito: Die R-Line wird immer attraktiver. Die Einbauraten für die R-Line gehen bei bestimmten Modellen bis an die 50 Prozent. Hier sieht man auch eine Relation zu dem was ich vorher gesagt habe: Die Modelle bei denen die R-Line sehr beliebt ist, sind auch die Modelle bei denen man sich ein R-Performance-Modell vorstellen könnte. Den Unterschied macht in erster Linie die äußere Veränderung. Die R-Line ist durch eine neue Front- und Heckschürze gekennzeichnet, wir bieten auch spezielle Räder an. Dies gibt dem Auto ein anderes Gesicht. Das wirkt schon sehr sportlich und ist eine Verbindung zwischen der Serie und dem R. Auch dort nutzen wir in der Entwicklung die Synergien. Es ist ganz klar: Beide kommen aus dem gleichen Haus – an der R-Linie und den R-Modellen arbeiten echte Fahrzeugenthusiasten. Dann kommt da auch etwas Gutes bei raus. 

?: Kann man sagen, dass Ihre Kunden sehr viel Wert auf das Design legen und nicht unbedingt die PS Zahl das Ausschlaggebende ist?

Capito: Bei der R-Line ganz sicher. Ich glaube auch bei den R-Kunden geht es nicht um das letzte PS, sondern um die Ausgewogenheit. Wir sehen, dass die Kunden sehr viel Wert auf das Design, Qualität und das allgemeine Fahrgefühl also die Freude am Fahren legen. Das versuchen wir mit den Modellen so darzustellen. Die R-Line ist da der Einstieg. Man bekommt eine sportliche Optik. Erfolgreich ist die Black Style Paket, das wir on top zur R-Line anbieten. Damit scheinen wir den Geschmack der Kunden getroffen zu haben. Wir sind mit der Entwicklung von sowohl der R-Line als auch R sehr zufrieden.

?: Die R GmbH ist sicherlich auch ein Marketinginstrument für die Motorsport GmbH. Wie weit sind Sie da als Unternehmen eingebunden?

Capito: Wir sind da seit 2018 sehr eingebunden. Es gab auch in der Vergangenheit schon einmal eine sehr enge Anbindung. Sie erinnern sich an den Scirocco R Cup und in der Rallye Meisterschaft war das R ebenfalls auf dem Auto. Wir haben die Verbindung wieder aufleben lassen. Ein ganz klares Zeichen ist der ID R. Das Auto welches den Pikes Peak Rekord im letzten Jahr pulverisiert hat. Das deutet auf die Zukunft der R GmbH hin. So werden wir auch bei der Elektromobilität mit der Volkswagen Motorsport GmbH zusammenarbeiten. Die entwickelten in sieben Monaten den ID. R für Pikes Peak von null auf – haben in der Zeit einen gigantischen Erfahrungsgewinn aufgebaut, was die E-Mobilität betrifft. Das nutzen wir. Unsere Ingenieure sind im ständigen Austausch mit der Volkswagen Motorsport GmbH. Wir unterstützten uns gegenseitig und bringen das auch über eine gemeinsame Kommunikation zum Ausdruck. Die Rennfahrer helfen uns die R-Modelle abzustimmen, sodass wir das Bindeglied zwischen einem engen Schulterschluss mit der Volkswagen AG aber auch mit einer ganz engen Verbindung zum Motorsport sind. So kann die Technologie aus dem Motorsport auf die Straße, damit können Technologien schneller in Serie gebracht werden. Davon profitiert dann wiederum das Basisauto.

Der Golf R ist im Prinzip das Modell, das die sportliche Marke gebildet und geprägt hat – und der Golf ist ja auch der Kern der Marke.

?: Können Sie sich in Zukunft wieder einen Markenpokal wie den Scirocco R-Cup vorstellen?

Capito: Das ist im Moment nicht angedacht. Der Motorsport hat ja zwei verschiedene Kategorien: Einmal was man im Werkssport macht, wie mit dem ID. R oder im letzten Jahr den Rallye-Cross und dann den Kundensport – mit der TCR auf der Rundstrecke und mit dem Polo R5 im Rallye-Motorsport. Die Kundensport-Modelle sind GTI-Modelle. Das geht nicht mehr in die Richtung Markenpokal sondern eher darum einen erschwinglichen Kundensport darzustellen – sowohl für die Rundstrecke als auch für die Rallye. Wir wollen uns mit dem Wettbewerb messen, denn nur dann lernt man und wird schneller. Ich glaube, dass das der richtige Weg ist um in den Kundensport zu gehen und attraktive Kundenmodelle anzubieten, anstelle eines Markenpokals einzuführen.

?: Sie sprachen gerade den ID R an, also ein Fahrzeug der ID Familie, die Ende diesen Jahres auf den Markt kommen wird. Wie weit sind Sie denn in die Elektromobilität im Konzern eingebunden beziehungsweise wie ist da Ihre Aufgabenstellung?

Capito: Der Volkswagen Konzern richtet sich ganz stark auf E-Mobilität aus und wenn man emotionale Modelle für die Marke macht, dann muss man sich damit natürlich beschäftigen. Es gibt ein komplett neues Betätigungsfeld, was aber sehr attraktiv und herausfordernd ist. Es geht hier um einen Spagat. Die Elektromobilität im Motorsport ist ganz anders als die Elektromobilität auf der Straße. Beim Motorsport muss für eine relativ kurze Zeit eine sehr hohe Leistung abgefragt werden. In der Serie muss dagegen eine anständige Leistung über eine sehr lange Zeit abgerufen werden. Das sind unterschiedliche Technologien. Wir sind in Verbindung mit beiden, weil wir glauben, dass für ein Performance-Elektromodell der bestmögliche Kompromiss aus beiden Technologien gefunden werden muss. Das wird noch sehr spannend.

?: Von welchem Zeitfenster reden wir, wenn es einen ID R für die Serie, also für die Straße gäbe?

Capito: Ein Zeitfenster kann ich Ihnen da nicht sagen. Die Fahrzeugenthusiasten haben noch nicht so viele Elektrofahrzeuge entwickelt und es gibt auch noch keine wirklich sportlichen Fahrzeuge auf dem Markt. Ich meine, der Tesla ist sicher ein sportliches Fahrzeug, aber der hat noch nicht die Porsche- oder Lamborghini-Kunden erreicht. Wenn jetzt Porsche mit dem ersten Elektrosportfahrzeug kommt, definiert das sicherlich die Attribute eines elektrischen Sportfahrzeugs. Man muss sehen wie das die Kunden akzeptieren. Ich glaube es gibt auch für Porsche noch eine Lernphase. Aber auch davon müssen auch wir lernen und profitieren. Wir sind natürlich auch im Konzern gut vernetzt. Im Moment muss man noch ein bisschen abwarten. Wir arbeiten an der Technologie, aber um wirklich ein endgültiges Auto zu definieren, brauchen wir noch mehr Input.

?: Abschließende Frage Herr Capito: Wie ist die Aufgabenstellung des Vorstands der Volkswagen AG an Sie, wie lautet die Botschaft?

 Capito: Die Botschaft ist ganz klar die Marke mit sportlichen Fahrzeugen zu emotionalisieren. Nicht nur über die Leistung, sondern auch über das Design und mit spezieller Ausstattung wie der R-Line, die Latte hoch zu hängen und die R-Modelle breiter darzustellen sowie sie auf breitere Füße zu stellen, sodass der Abstrahlungseffekt von Volkswagen R auf die Serie funktioniert.