Modernste Technik mit traditionsreichem Design verbunden

Der Blick streift im Vorbeigehen das Objekt – man ist irritiert, der normale Programmablauf: gucken, registrieren, weitergehen – stockt. Auf einmal kommt der Gedanke: Das muss neu sein! Damit ist es in der Regel schon passiert. So komplex das Gehirn des modernen Menschen funktioniert, so einfach lässt es sich verführen: Zeig ihm etwas Unbekanntes, Neues, und es reagiert sofort begeistert. So ist es uns auf der Rennstrecke Circuit Ricardo Tormo in Valencia passiert. Hintergrund: „Brain likes novelty“, das Gehirn liebt Neuheiten, heißt es in der Wissenschaft. Der Anblick von etwas Neuem, einem Auto etwa, einer Uhr oder einem Mobiltelefon, sorgt im Hirn des Betrachters unmittelbar für Aufregung. Dopamin wird ausgeschüttet, das sogenannte Belohnungssystem springt an. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir noch einen zweiten oder dritten Blick riskieren, steigt dadurch enorm. Jeder kennt das. Die Frage lautet: Warum? Was nutzt dem Menschen diese affekthafte Fixierung auf das Neue? Die Antwort ist, vereinfacht ausgedrückt: Das Neue könnte gefährlich sein. Im Prinzip lieben Menschen das Vertraute. Das war in der Steinzeit so, das ist bei urbanen Kosmopoliten im 21. Jahrhundert nicht anders. Hauptsache: Alles ist sicher, alles verstanden, alles unter Kontrolle.

Wir haben die Situation an der spanischen Rennstrecke verstanden. Ja, die Testfahrt auf dem Kurs war sicher, dies vermittelt schon der neue 911 und die Begegnung mit dem Sportwagen war für uns unter Kontrolle. Was früher Leben rettete, sorgt heute für Nervenkitzel und macht glücklich. Denn das Neue schenkt uns Dopamin, ein überwiegend erregend wirkender Neurotransmitter des zentralen Nervensystems. Er steckt hinter unseren geheimsten Wünschen: Liebe, Lust, Leidenschaft – Wissenschaftler von der Universität Bonn haben Anfang des Jahrtausends herausgefunden, dass bereits Fotos von Sportwagen Belohnungsregionen des Gehirns aktivieren, in denen typischerweise Dopamin ausgeschüttet wird.

Klasse, unsere Belohnungsregion im Gehirn wurde stark aktiviert. Die Fahrt im neuen Porsche 911 Carrera ließ unsere Leidenschaft am modernen Sportwagen höher schlagen. Rückblick: Kinder verfügen noch nicht über den Prozess des Abwägens. Sie sehen ein neues Automodell und stürmen aus lauter Neugier und Begeisterung darauf zu. Die Porsche-Werbung, die schon früh einen kleinen Jungen zeigte, der sich an einen 911 presst und die Nase an der Scheibe plattdrückt, ist keine Fiktion, sie ist Realität. Man kann immer wieder erstaunt beobachten, wie schon ganz kleine Kinder einen Porsche erkennen. Hier erinnern wir uns gerne an unsere Kindheit. Das liegt wohl am ikonografischen Design, das Sinnbild für Sportwagen schlechthin. Er ist ein berühmter Freund, den man von früher kennt: aus dem Autoquartett.

Die aktuellen Fakten: Der aufgeladene Sechszylinder-Boxermotor von 911 Carrera S und 911 Carrera 4S leistet nun 450 PS (331 kW) – das entspricht einem Plus 30 PS (22 kW) gegenüber dem Vorgängermodell. Damit ist auch die nächste Generation aufgeladener Sechszylinder-Boxermotoren am Start. Ein verbessertes Einspritzverfahren und neu angeordnete Turbolader samt Ladeluftkühlung erhöhen den Wirkungsgrad im Antrieb. Die Kraftübertragung übernimmt das neu entwickelte serienmäßige Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe; den Allradantrieb gibt es beim Porsche 911 Carrera 4S serienmäßig

 Der Anblick eines neuen Porsche erlaubt ein bisschen Realitätsflucht in ein anderes Leben, einen Tagtraum. Das hat übrigens nichts damit zu tun, ob sich der Betrachter einen Porsche leisten kann. Eine Marke wie Porsche rekrutiert Fans quer durch die Gesellschaft – weltweit. Spontan beurteilt unser Gehirn dann auch ein neues Modell automatisch als relevant, als positives Ereignis. Emotional gibt es weltweit sicher um ein Vielfaches mehr Porsche-Fahrer als die, die in den Kundenkarteien der Autohäuser stecken. Welche Reaktionen, welche Gefühle mag der Anblick des neuen 911 wohl auslösen? Überraschung und Staunen natürlich, Neugier, Begeisterung und Freude – manchmal sicher auch versteckt Neid und Frust. Dennoch der traditionsreiche Sportwagen aus Zuffenhausen hat eine Akzeptanz über alle gesellschaftlichen Schichten hinweg.

 Hintergrund: Der 911 lebt von seiner einmaligen Formensprache. Allein die Silhouette spricht für sich: Anhand seiner Porsche-typischen Silhouetten-Linie erkennt jeder auf Anhieb den 911. „Unsere Aufgabe war es zunächst, Charaktermerkmale zu definieren, die wir entweder verändern oder noch stärker akzentuieren wollten. Aus meiner Sicht hat der 911 über die Jahre immer bessere Proportionen erhalten. Diese Entwicklung haben wir fortgesetzt, indem wir die neue Generation vorne und hinten verbreitert haben. Dadurch wollen wir den 911 noch knackiger, sportlicher und kerniger machen“, erklärt Designer Peter Varga. „Dass der Vorderwagen nun breiter geworden ist, tut dem 911 allgemein sehr gut. Der Hauptkörper mit der Fahrgastzelle ist hingegen vergleichsweise schmal gehalten. Die flachere Tür mit der Betonung an der richtigen Stelle unterstreicht insgesamt die kräftigeren Kotflügel. Gleichzeitig sind die Hinterräder ein Zoll größer.“