Polizei setzt auf den Passat Variant GTE

  Völlig lautlos rollen immer häufiger Streifenwagen über Niedersachsens Straßen. Das Geheimnis der neuen Polizei-Autos steckt gut versteckt unter ihren blau-gelb beklebten Karosserien. Äußerlich sind es nur die charakteristischen GTE-Schriftzüge und Lichtsignaturen, die Insidern einen Hinweis auf die technischen Besonderheiten geben: Dem Passat GTE Variant darf mit der gebündelten Kraft seiner Antriebe schon heute unter Beweis stellen, was Polizei-Autos morgen leisten sollen. Dazu wurde der geräumige Kombi jüngst 21 Mal in Polizei-Konfiguration ausgeliefert. Den Rahmen für diesen Einsatz bildet das Pilotprojekt „lautlos & einsatzbereit“. Die wegweisende GTE-Antriebstechnik darf die Alltagstauglichkeit aktueller Hybrid-Lösungen – selbst unter extremen Bedingungen im Dauerstress-Szenario Polizei-Schichtbetrieb – zukünftig bei jeder Wind- und Wetterlage beweisen. Für souveränen Vortrieb sorgt, wie auch in den zivilen GTE-Versionen, ein 1,4 Liter TSI-Benzinmotor mit 156 PS (115 kW) in Verbindung mit einem Elektromotor mit 115 PS (85 kW) maximaler Leistungsabgabe. Je nach Betriebszustand sorgt das Energiemanagement der Bordelektronik selbstständig für die Nutzung der passenden Energiequelle. Rein elektrisch stromert der Passat bei vollgeladenem 9,9 kWh Lithium-Ionen-Akku eine Distanz von maximal 50 Kilometern. Die Ladezeit beträgt zwei Stunden und 45 Minuten. Kombiniert ergibt sich eine Gesamtreichweite von maximal 1.030 Kilometern – so gerüstet steht der Passat auch für längere Dienstfahrten parat.
Die niedersachsenweit eingesetzte Kombiflotte nimmt bundesweit eine Vorreiterrolle für das Fuhrparkmanagement der öffentlichen Hand ein. Der Passat GTE Variant ist einer der ersten regulär im 24/7-Schichtbetrieb eingesetzten Streifenwagen mit Plug-In-Hybridantrieb. Ein weiteres Novum ist der bislang im Polizeialltag unbekannte Spagat aus Dynamik und Nachhaltigkeit. Mit einer Systemleistung von 218 PS (160 kW) und einem maximalen Drehmoment von 400 Newtonmetern ist das geräumige Einsatzfahrzeug so flink wie mancher Sportwagen: 7,4 Sekunden genügen für den Spurt auf 100 km/h. Gleichzeitig schont der GTE Variant durch seinen nahezu geräuschlosen und emissionsfreien Betrieb im e-Modus aber auch Mensch und Natur. Bei der Polizeiinspektion in Gifhorn sind die neuen Autos bereits im Dauereinsatz. War die Nutzung der Wallbox zum Auftanken der Akkus zwischen den Einsatzfahrten zunächst ungewohnt, fällt der Kommentar nach den ersten Monaten positiv aus. „Der GTE hat viel Leistung und bringt diese gut auf die Straße. Trotz des flotten Fahreindrucks kommen wir mit ihm dennoch zuverlässig über unbefestigte Wege“, sagt Polizeikommissar Stephan Herter. Und sein Kollege Polizeihauptkommissar Stefan Heinemann, beeindruckt besonders das Geräuschverhalten im e-Modus: „Bei Einsätzen wie etwa einem Einbruch können wir nahezu lautlos vorfahren. Dieser Überraschungsmoment ist ein enormer taktischer Vorteil.“
Die große Bedeutung des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit geförderten Pilotprojekts für die Polizei, erläutert Polizeirat und Projektleiter Oliver Suckow: „Es gilt für uns in Hinblick auf Mobilitäts- und Ladebedarfe möglichst umfassende Erfahrungen zu sammeln. Wir erproben das Fahrzeugkonzept diversifiziert und nicht ausschließlich für uns, sondern bis August 2019 stellvertretend auch für alle anderen Bundesländer. Ziel ist die Erstellung eines Leitfadens für das ökonomische und ökologische Management von Fahrzeugflotten der Sicherheits-Behörden und -Organisationen.“ Im Polizei Passat steckt aber noch mehr Hightech: Fest verbaute Datenlogger vom Niedersächsischen Forschungszentrum für Fahrzeugtechnik der Technischen Universität Braunschweig speichern eine Vielzahl unterschiedlicher Parametern. Diese werden fortlaufend an die Forscher übermittelt. Aufgrund der erwarteten hohen Kilometerleistung von bis zu 80.000 Kilometern pro Jahr und den stark variierenden Einsatzbedingungen ergeben sich aus den gesammelten Rohdaten für die Wissenschaftler wertvolle Rückschlüsse: „Durch die hohe Laufleistung, die große Anzahl an Fahrzeugen und die Vielzahl unterschiedlicher Nutzer ergibt sich eine umfangreiche und breitgefächerte Datenbasis. Diese ist für uns von großem Wert, denn wir können daraus verschiedenste Erkenntnisse zum Fahrzeug- und Nutzerverhalten gewinnen. So können wir beispielsweise passgenaue Anforderungen an Polizeifahrzeuge der Zukunft ableiten“, erläutert Marcel Sander, projektbegleitender Ingenieur am Institut für Fahrzeugtechnik der TU Braunschweig.