Undercover in Südafrika: Abnahmefahrt mit dem ID. –

die finale Erprobungsphase hat begonnen

Zum Jahreswechsel in Südafrika: Touristen aus der ganzen Welt empfangen rund um Kapstadt bei warmen Temperaturen und in entspannter Atmosphäre das Jahr 2019. Für das Volkswagen Entwicklungsteam läutet der Trip ans Kap die finale Erprobungsphase des ID. ein – mit seiner ID. Familie will sich Volkswagen nicht weniger als neu erfinden. Ende des Jahres soll das erste Modell auf Basis des Modularen E-Antriebs-Baukastens (MEB) in Serienproduktion gehen und Anfang 2020 zu Händlern und Kunden rollen. Hintergrund: Im Gegensatz zu den meisten Wettbewerbern startet Volkswagen dabei nicht mit einem größeren Modell und lässt dieses dann sukzessive in elektrisierte Volumensegmente schrumpfen. Vorteil: Vielmehr will das Unternehmen mit dem Kompaktklassemodell ID. im Herzen der Marke vollelektrisch starten.

Jetzt ist der entscheidende Zeitpunkt für die Erprobung des neuen ID. und seiner Brüder. Entwicklungsvorstand Dr. Frank Welsch und E-Mobilitäts-Entwicklungschef Frank Bekemeier sind mit einem knappen Dutzend getarnter Prototypen auf den Straßen rund um Kapstadt unterwegs. Neben dem neuen Golf (8. Generation) sind zwei mit Sichtschutzfolie verklebte ID. Modelle die wichtigsten Fahrzeuge im Tross. Welsch und Bekemeier haben kaum Augen für die traumhaften Kulissen auf der Bundesstraße R44, die von Hermanus bis hinein nach Kapstadt führt. Sie schauen mit ihren Kollegen zumeist auf Messcomputer oder lauschen Antriebs- und Nebengeräuschen – wieder und wieder. „Die beiden ID. sind frühe Prototypen, bei denen es in erster Linie um den Antrieb und die Klimatisierung geht“, sagt Welsch. Die Testflotte will die Prototypen im Innenstadtverkehr von Kapstadt mit heißen Temperaturen und endlosen Staus stressen – Frank Welsch interessiert sich weit mehr für den Temperaturfühler der neuen Akkueinheit, die im ersten der beiden Prototypen flach zwischen den Achsen verbaut ist. Alles ist im grünen Bereich, die Temperaturfenster stimmen und die Reichweite zeigt bei nicht einmal halbvollem Akku immer noch rund 200 Kilometer an.

Auch die Klimaautomatik kommt kaum in die Bredouille und versorgt den Innenraum mit angenehm gekühlter Luft. Für die Tester gilt es, einen großen Bogen um die Touristenspots zu machen, denn die streng geheimen Prototypen fallen in Kapstadt und auf den Panoramastraßen mehr auf als weiter außerhalb in Hermanus oder Richtung Kap Agulhas – doch die Testautos aus Wolfsburg fahren zumeist unbemerkt vorbei. Das Testprogramm ist prall gefüllt – von früh morgens bis spät abends. So wird an Steigungen immer wieder angefahren, abgebremst und nochmals angefahren, beschleunigt – und nochmals das Gleiche. Den Testingenieuren rund um Frank Bekemeier ist schon bei der Ausfahrt aus Kapstadt aufgefallen, dass einer der beiden ID. Prototypen nach dem Anfahren eine kleine Leistungsdelle hat: „Da müssen wir an die Elektronik ran. Doch generell bin ich mit dem Stand, den die beiden Autos haben, zufrieden“, sagt Welsch.

Der ID. ist das erste Modell der neuen Elektroplattform MEB. „Entsprechend können wir auf keine Erfahrungen zurückgreifen“, erklärt Chefentwickler Frank Bekemeier, „deshalb müssen wir bestimmte Tests intensiver machen als die für die Fahrzeuge konventionellem Antrieb.“ Mehr als ein Jahr vor Marktstart fährt sich der Prototyp des ID. bereits überaus gut, so die Tester. Trotz des üppig dimensionierten 20-Zoll-Radsatzes rollt der Fünftürer auf den nicht immer ebenen Straßen überraschend komfortabel ab und die ohnehin geringen Fahrgeräusche werden weitgehend geschluckt. Die Lenkung präsentiert sich dabei betont leichtgängig, soll nach Aussagen von Frank Welsch jedoch noch mehr Rückmeldung bekommen, um das Fahrgefühl intensiver zu machen. Gefallen konnte bei den Testfahrten nicht zuletzt der niedrige Schwerpunkt, der sich nicht nur in flott gefahrenen Kurvenkombinationen angenehm bemerkbar macht. Der Elektromotor stellt sein maximales Drehmoment von über 300 Nm aus jedem Tempo bereit, und so machen die kleinen Zwischenspurts auf der kurvenreichen R44 richtig Laune. Praktisch für die City: Der Volkswagen ID. hat einen Wendekreis von unter zehn Metern.

Die neue Plattform ermöglicht es Volkswagen, nicht ein oder zwei Modelle, sondern in schneller Abfolge eine ganze Familie von Elektromodellen auf den Markt zu bringen. Der ID. ist als elektrisches Gegenüber zum Golf dabei nur der Anfang. Limousinen, SUV und Vans wie der ID. BUZZ sollen Volkswagen nicht nur ein völlig neues Image, sondern auch völlig neue Kunden bringen. Noch gibt es einiges zu tun, ehe der ID. für Volkswagen in diesem Jahr eine neue Ära einläutet.