Porsche 919 Hybrid auf deutschen Straßen ins Museum unterwegs

Ein Konvoi der Extraklasse: Der Porsche 919 Hybrid zog standesgemäß ins Porsche Museum ein. Eskortiert von Begleitfahrzeugen und mit behördlicher Genehmigung, überführten Mark Webber und Marc Lieb zwei Exemplare des erfolgreichen Le-Mans-Prototyps vom Entwicklungszentrum Weissach zum Porsche Museum nach Zuffenhausen – 25 Kilometer legten sie von der Porschestraße 911 zum Porscheplatz 1 zurück. Hintergrund: Mit zusammen über 2000 PS im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs zu sein, ist etwas ganz besonderes. Teamchef Andreas Seidl freute sich: „Wir konnten mit dem Projekt 919 Hybrid neue Technologiefelder für Porsche erschließen und aufzeigen, welche Performance in moderner Hybridisierung steckt. Mit den letzten Kilometern über öffentliche Straßen liegt das LMP1-Projekt nun hinter uns, und wir schlagen neue Seiten auf: In der Serie wie im Motorsport stellt sich Porsche jetzt den Herausforderungen der reinen E-Mobilität. Die Resonanz auf unseren Formel-E-Einstieg Ende 2019 ist extrem positiv. Das gibt uns zusätzliche Motivation, in neue Grenzbereiche vorzustoßen.“

Mark Webber saß am Steuer des 919 Evo mit einer Systemleistung von 1160 PS. Der Evo ist jene ultimative Ausbaustufe des Rennwagens, mit dem Neel Jani im April 2018 in Spa-Francorchamps den Qualifying-Rekord der Formel 1 knackte und mit dem Timo Bernhard im Juni 2018 einen absoluten Streckenrekord auf der Nürburgring-Nordschleife aufstellte. Webber, neunmaliger Formel-1-Grand-Prix-Sieger und 2015 mit dem Porsche 919 Hybrid Langstreckenweltmeister, sagte: „Es war verrückt und faszinierend, dieses Biest im Rahmen der Straßenverkehrsordnung zu bewegen. Es ist typisch Porsche, so etwas Cooles zu wagen und vor allem zu beherrschen. Ich verbinde sehr viel mit dem 919 und den Einsätzen in der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft. Es war mir eine Ehre, den 919 Evo heimzubringen.“

Diese Fahrt heute war für Porsche, den 919 und für mich persönlich ein sehr schöner Abschluss“, freute sich der gebürtige Stuttgarter Marc Lieb, der 2016 Le-Mans-Gesamtsieger und Weltmeister mit dem 919 wurde. „Ich fahre Teile der Strecke von meinem Wohnort Ludwigsburg in mein Büro in Weissach jeden Tag mit einem Cayenne. Dabei werde ich mich fortan immer an die einzigartige Perspektive aus der tiefen Sitzposition des 919 erinnern.“ Lieb steuerte den zweiten Porsche 919 Hybrid in der Konfiguration aus der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC).

„Ich möchte mich ausdrücklich bei den Behörden dafür bedanken, dass sie unserem 919 diese letzte Dienstfahrt ermöglicht haben“, betonte Fritz Enzinger, Leiter LMP1, der die Fahrzeuge an Achim Stejskal, den Direktor des Porsche Museums, übergab „Für das gesamte Team ist der Einzug ins Museum der krönende Abschluss einer außergewöhnlichen Ära. Von 2015 bis 2017 drei Le-Mans-Gesamtsiege in Folge sowie insgesamt sechs Weltmeistertitel plus 2018 die gelungenen Rekordfahrten in Spa und auf der Nordschleife – mehr geht nicht.“

Achim Stejskal, den Direktor des Porsche Museums und Fritz Enzinger, Leiter LMP1.

Rückblick: 2011 beschloss der Porsche-Vorstand, mit einem Klasse-1-Prototyp in die Langstrecken-Weltmeisterschaft und nach Le Mans zurückzukehren. Anlass war ein revolutionäres technisches Reglement, das ab 2014 Hybridisierung verlangte, die Umsetzung aber völlig freistellte. Das Regelwerk roch nach relevanten Innovationen – ein Duft, der das Unternehmen von jeher anzieht. Schon Ferry Porsche hielt den Leistungsdruck des Motorsports für den besten Entwicklungsbeschleuniger. Die Marke ist mit dem Mythos Le Mans so eng verwoben wie kein anderer Hersteller. Der damals letzte Gesamtsieg datierte von 1998 und drohte zu verblassen. Auf einem weißen Blatt Papier entstand ein Rennwagen ohne Vorbild, mit dem Porsche gegen die erfahreneren Marken Audi und Toyota antrat. In Weissach existierten 2011 weder ein Team noch die nötige Infrastruktur. Technische Entwicklung, Bauvorhaben, Personal-Rekrutierung – alles musste parallel geschehen. Es gab Rückschläge und Zweifel; dramatische Ereignisse mit einem brutalen Unfall und dem ersten Sieg innerhalb weniger Minuten.