Unterwegs in Marokko: Hier endet die Straße, hier beginnt der Spaß.

Neun Stunden Fahrzeit, für nur 154 Kilometer. Das ist das Paradies – wenn man ohne Straße unterwegs ist und gar nicht merkt, wie langsam man fährt. Das ist die Hölle – wenn man auf der Autobahn im Stau steckt und es einfach nicht voran geht. DIE AUTOSEITEN waren in Marokko unterwegs, fuhren mit dem neuen Touareg von Marrakesch ins nahe gelegene Skigebiet. Und am Ende des Tages ist der Touareg dreckig, aber so richtig dreckig. Roter Schlamm tropft aus den Radkästen von der Fahrt übers Atlasgebirge, durch enge Schotter-Serpentinen und Flüsse. Es war ein langer intensiver Tag für uns – aber einfach genial, atemberaubend und herausfordernd. In einem Wort: Abenteuer pur.

Die von der Volkswagen Driving Experience organisierte Tour ging im Konvoi von Marrakesch aus durch das Ourika-Tal, durch kleine Dörfer hinauf auf 2.700 Meter nach Oukaimeden, in die Skiregion Marokkos. Vor einer Safran-Farm stehen uralte Skier, am Straßenrand ein vergessener Skischuh, ein paar Meter weiter erkennt man einen Skilift. Von hier sehen wir den Jbel Toubkal, mit 4.167 Metern der höchste Berg Marokkos.

Auf einer Wiese fahren wir uns warm, testen die ersten Offroad-Features des neuen Touareg. Die Berganfahrhilfe, die den Touareg auch ohne Bremse hält und so ein sanftes Anfahren ermöglicht und den Bergabfahrassistent, der ohne Gas oder Bremse die langsame Geschwindigkeit hält, damit wir uns aufs Lenken konzentrieren können. Schön, dass der Touareg ehrlich bleibt, sofort Rückmeldung gibt und souverän bleibt. Schön für uns, er macht es dem in diesem Gelände ungeübten Fahrer leicht, auch sicher zu fahren. „Dieses Regelverhalten hat mich auch hier wieder sehr beeindruckt“, sagt Oliver Müller im Gespräch. „Hier wird der Fortschritt durch die Weiterentwicklung und Verfeinerung sehr deutlich erlebbar.“ Müller gehört zum Entwicklungsteam des Touareg und begleitet uns deshalb auf dieser Tour. Marokko ist für den Touareg einer der wichtigsten Märkte.

Die nächsten drei Stunden kriechen wir den Berg auf der anderen Seite hinunter. Über roten Schotter, der ein paar Meter weiter schwarz ist und dann grau. Vorbei an riesigen Findlingen, grün schimmernden Felsvorsprüngen und Bäumen, die es irgendwie schaffen, in dieser kargen Landschaft zu wurzeln und so groß und alt zu werden. Die Straße, die wir fahren, gibt es eigentlich nicht. Sie scheint eher ein Versorgungsweg zu sein, den eine Planierraupe mal gezogen hat. Breit genug für genau ein Auto, am häufigsten fahren hier Eselkarren – hoffentlich kommt uns keiner entgegen.

Die Serpentinen sind eng. So eng, dass viele SUV nicht in einem Zug rumkommen würden. In der ersten Kurve setzen einige Autos noch zurück. Über Funk kriegen wir den Hinweis, wie wir die Kurven fahren müssen. Schließlich hat der neue Touareg die Hinterachslenkung. Hintergrund: Die Hinterräder lenken entgegengesetzt und verkleinern dadurch den Wendekreis. Die Abstandssensoren des Touareg piepen und anfangs guckt der Beifahrer noch skeptisch, ob wir wirklich an dem Felsen auf der Innenseite der Kurve vorbeikommen ohne die gesamte Seite des Wagens zu zerkratzen. Passt. „Dank der Hinterachslenkung können wir diese Serpentinen schön fahren und erleben“, gibt sich Oliver Müller zufrieden. „Das kannten wir bisher nur vom Parken in der Innenstadt. Hier im Gelände ist das natürlich ein Ausstattungsdetail, das uns wesentlich weiterbringt.“

Das Atlasgebirge ist kein künstlicher Offroad-Parcours, sondern echtes Abenteuer. Aber ein abgesichertes, dank der Experten der Volkswagen Driving Experience. Auf dem Weg zurück nach Marrakesch wartet noch das letzte Highlight auf uns: Ein kleiner Trainings-Parcours, der hinter einem Fluss liegt. Jetzt brauchen wir maximale Bodenfreiheit, kriegen wir im „Offroad Modus, Stufe 2“. Also: Linker Regler auf „Offroad“ und den rechts ganz nach rechts. Mit einer klassischen Stahlfederung wäre der Weg jetzt zu ende. Die Luftfederung aber bringt den Touareg 70 mm nach oben auf 258 mm – egal wie beladen der Wagen ist. Prima, der Fluss ist kein Hindernis mehr.

Dahinter liegt ein Parcours, der den neuen Touareg an seine Grenze bringt. Eine Schrägfahrt nah am Maximum von 35 Grad. Verschränkungen, die einiges an Überwindung kosten, weil plötzlich zwei Räder in der Luft drehen, bis der Wagen sie bremst, die Kraft auf die anderen Räder verteilt und der Touareg wieder mit allen Reifen am Boden ist. „Es ist wunderbar zu sehen und zu erleben, wie gut alles funktioniert, was wir uns überlegt hatten“, freut sich Oliver Müller.

Die reinen Zahlen am Ende des Tages beeindrucken: Neun Stunden unterwegs, natürlich mit Pausen. Durchschnittsgeschwindigkeit: 31 km/h. Gerade mal 154 km gefahren. Nur 20 Prozent der Strecke waren offroad, aber dafür haben wir 60 Prozent unserer Fahrzeit gebraucht. Aber: Die Zeit verging wie im Flug. Eine Fahrt am Abgrund, die nie gefährlich war. Ein Erlebnis, das gezeigt hat, dass der komfortable wie robuste Touareg es kann.