Im Gespräch: Jürgen Stackmann, Vertriebsvorstand der Volkswagen AG

DAS: Mit dem up!, Polo und Golf bietet VW drei CNG-Modelle an. Wie ist der Handel auf die steigende Nachfrage nach erdgasangetriebenen Modellen vorbereitet?

Jürgen Stackmann: Volkswagen hat bereits eine sehr lange Tradition bei Erdgasfahrzeugen. Seit Anfang der 90er Jahre als Nachrüstung und seit 2002 ausschließlich mit Modellen, die ab Werk für den Erdgasbetrieb ausgelegt sind. Der Handel wird zum Thema CNG regelmäßig geschult und auf den Vertriebskongressen zu Neuerungen in der CNG-Modellpalette informiert.

DAS: Aufklärung zum CNG-Auto gegenüber dem Kunden ist wichtig. Glauben Sie, dass hier ausreichende Arbeit geleistet wird?

Jürgen Stackmann: Volkswagen und seine Industriepartner aus den Bereichen Gasversorgung, Netzbetrieb und Tankstellen werden ihre erfolgreiche Markt- und Informationsoffensive auch im Jahr 2018 fortsetzen. Seit dem Start unserer markenübergreifenden Kampagne im Frühjahr 2017 konnte unser Aktionsbündnis den Stellenwert von CNG für die individuelle Mobilität in Deutschland schon erheblich steigern. Die Vorteile von Erdgasfahrzeugen sind heute aber leider noch nicht durchgängig bekannt – da müssen wir uns sicherlich auch an die eigene Nase fassen. Durch weitere gemeinsame Anstrengungen mit Politik und Energiewirtschaft und dem Handel sehe ich aber hier die Chance, die Vorteile des extrem sauberen Antriebs und der deutlich verringerten Kraftstoffkosten weiter publik zu machen.

DAS: Welche Kunden bevorzugen ein CNG-Modell, kommen sie als Umsteiger vom Diesel?

Jürgen Stackmann: Wir sprechen aufgrund der spezifischen Vorteile von CNG-Modellen zwei Kundengruppen an: Zum einen die besonders kostenbewussten und zum anderen die ökologisch orientierten Kunden. Hier kann man bezüglich der vorherigen Motorisierung Otto oder Diesel kaum Schwerpunkte feststellen. Aber, wer einmal ein CNG-Modell gefahren hat, bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch beim nächsten Fahrzeug bei dieser Technologie. Die einmal erlebten Vorteile möchte kein Kunde mehr missen.

DAS: Die Vorteile eines CNG-Autos sind unstrittig. Dennoch, wie machen Sie diesen alternativen Antrieb dem Kunden schmackhaft?

Jürgen Stackmann: Auf unserer Internetseite volkswagen.de finden Sie zum Stichwort CNG umfängliche Informationen, die die Vorteile des Fahrens mit Erdgas, das Thema Infrastruktur und auch Fördermöglichkeiten zum Beispiel durch Energieversorger beschreiben. Neben einem Tankstellenfinder werden dort ebenfalls die Kraftstoffkosten unserer CNG-Modelle im Vergleich zu Benzin und Diesel aufgelistet.

DAS: Hat der VW-Kunde mit einem up!-, Polo- oder Golf-CNG bei den Wartungs-Intervallen seines Autos höher Kosten?

Jürgen Stackmann: Erdgasfahrzeuge haben grundsätzlich ein fixes Wartungsintervall von 15.000 km. Das bietet aber auch den Vorteil, ein günstigeres Motorenöl zu verwenden, das keine sogenannte long-life-Spezifikation erfüllen muss. Daneben findet im Rahmen der Wartungs-, beziehungsweise TÜV-Termine eine Sichtprüfung der Erdgastanks statt. Das sind schon alle Unterschiede zu konventionellen Otto- oder Dieselfahrzeugen.

DAS: Sind weitere CNG-Modelle von VW zu erwarten, beispielsweise für den Crossover T-ROC?

Jürgen Stackmann: Wir prüfen natürlich ständig, ob sich die Entwicklung weiterer CNG-Modelle wirtschaftlich lohnen könnte. Im Moment sieht es dazu aber sehr gut aus, da die aktuellen Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes zeigen, dass CNG derzeit die am stärksten wachsende Antriebsart ist. Es ist natürlich noch zu früh, jetzt schon weitere Modelle zu benennen, aber die Rahmenbedingungen sind derzeit sehr positiv.     

„Insbesondere kostenbewusste und zum anderen ökologisch orientierte Kunden werden angesprochen“

DAS: Wie sehen Sie die Zunft des Antriebskonzepts CNG, gerade auch im Hinblick auf die E-Mobilität?

Jürgen Stackmann: Auch wenn wir bei Volkswagen die E-Mobilität für die Zukunft weiter intensivieren werden, die E wie Erdgas-Mobilität hat aber dennoch auch auf lange Sicht eine solide Daseinsberechtigung. Im Jahr 2025 planen wir mit rund 25 Prozent elektrischen Fahrzeugen. Das heißt aber auch, dass 75 Prozent unserer verkauften Fahrzeuge weiterhin Verbrennungsmotoren haben werden – CNG ist in diesem Feld die beste Lösung. Die Kraftstoffkosten mit CNG liegen auf dem Niveau eines Elektrofahrzeugs und unter Verwendung von Biogas oder power-to-gas sind die CO2-Werte schon heute nahe an der CO2-Neutralität dran.