Volkswagen schreibt mit I.D. R Pikes Peak Geschichte

Volkswagen hat mit dem I.D. R Pikes Peak beim Pikes Peak International Hill Climb Geschichte geschrieben. Romain Dumas bezwang die mit konventioneller Antriebstechnik fahrende Konkurrenz im 680 PS (500 kW) starken I.D. R Pikes Peak und verbesserte nicht nur die bisherige Bestmarke für Elektrofahrzeuge, sondern auch den Allzeit-Rekord von Sébastien Loeb (Peugeot) aus dem Jahr 2013 – und das um gleich 16 Sekunden mit 7.57,148 Minuten. Hintergrund: Der I.D. R Pikes Peak ist der sportliche Vorbote der I.D. Familie von Volkswagen. Den Serien-Start macht Anfang 2020 der kompakte Fünftürer I.D. mit einer reichweite von 600 km. „Und jetzt haben wir gezeigt, was in dieser Technologie steckt“, sagt Dr. Frank Welsch, Mitglied des Markenvorstands Volkswagen Pkw, Geschäftsbereich „Technische Entwicklung“. „Auf dieses Ergebnis kann jeder Mitarbeiter von Volkswagen extrem stolz sein. Mit herausragender Ingenieurskunst und leidenschaftlichem Einsatz hat das Team in nur acht Monaten einen fantastischen Rennwagen auf die Räder gestellt. Nun hat der Volkswagen I.D. R Pikes Peak die beste Zeit in der über 100-jährigen Geschichte dieses Bergrennens erzielt – das ist ein starkes Zeichen für die Elektromobilität.“ Mit dem neuen Rekord am Pikes Peak wurde dieser Aufwand und die unermüdliche Arbeit der Volkswagen Mechaniker, Ingenieure und vieler weiterer Mitarbeiter in Wolfsburg, am Motorsport-Standort in Hannover und nicht zuletzt bei den wochenlangen Vorbereitungen des Teams in Colorado Springs belohnt.
Die Fakten: 19,99 Kilometer, 156 Kurven, nur ein Versuch – und der gelang: Romain Dumas feierte beim legendären Pikes Peak International Hill Climb, der seit 1916 insgesamt 96 Mal ausgetragen wurde, seinen vierten Gesamtsieg. Mit dem I.D. R Pikes Peak stellte Volkswagen einen außergewöhnlichen Rennwagen auf die Räder – speziell auf die Anforderungen des berühmten Bergrennens zugeschnitten: Minimales Gewicht, größtmöglicher Abtrieb und maximale Leistung sollten die bestmögliche Performance ermöglichen. Der I.D. R Pikes Peak wiegt inklusive seiner Batteriezellen unter 1.100 Kilogramm. Bei der Dimensionierung der Leistung vertraute Volkswagen auf Software-Simulationen, um das Optimum aus Energiebedarf und Leistung für den Rekordversuch am Pikes Peak zu bestimmen. In Sachen Aerodynamik galt es, den Verlust an Abtrieb durch die geringere Luftdichte am Pikes Peak zu kompensieren – weithin sichtbares Resultat dieses Versuchs: Die schlanke und flache Karosserie in Kombination mit dem riesigen Flügel am Heck. Auch in Sachen Ladetechnik ging Volkswagen einen neuen Weg – mit dem Ziel einer möglichst schnellen und gleichzeitig umweltschonenden Ladung. Dabei gab das Reglement die Zeit vor: Eine komplette Ladung muss im Falle eines Rennabbruchs in unter 20 Minuten realisiert werden. Und Volkswagen hat schon weitergedacht: Der dazu benötigte Strom wurde mit Generatoren am Fuße des Pikes Peak erzeugt – die Wahl fiel auf Glycerin als Kraftstoff, das chemisch gesehen ein Zuckeralkohol ist. Dieser Kraftstoff– der beispielsweise bei der Herstellung von Bio-Diesel entsteht – verbrennt nahezu völlig ohne schädliche Abgase oder Rückstände. Glycerin selbst ist ungiftig und wird sogar in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie als Zusatzstoff verwendet.

Die Revanche bekommen

Volkswagen war schon 1987 mit dem Bi-Motor Golf „Pikes Peak“ unterwegs Hauptdarsteller einer Story um Material und Millisekunden, um Staub und Schotter, um Power und Präzision: der Jochi Kleint und der VW Golf – gemeinsam witterten sie 1987 Höhenluft beim spektakulärsten Bergrennen der Welt: „Pikes Peak International Hill Climb“, Colorado, USA. Start in 2.862 Meter Höhe, auf 4.302 Metern das Ziel. Im Mittelpunkt: ein Golf mit gleich zwei Rennmotoren und sein Team als Gipfelstürmer. Vor 30 Jahren bestand der Großteil der Privatstraße zum Pikes Peak noch aus Schotter, da „brauchst du Traktion, Traktion, Traktion“ wissen Experten.
Eine maximale Leistung von je 326 PS (240 kW) liefern die beiden Reihen-Vierzylindermotoren im Golf, bekannt aus dem damaligen Golf GTI 16V. Allerdings modifiziert, angeblasen von je einem Turbo und versorgt von Digifant-Einspritztechnik. Die Idee dahinter war einfach: Du kriegst doppelte Leistung und den Allradantrieb noch dazu. Aufgrund der speziellen Renngetriebe wurde die Einbaurichtung von quer auf längs verändert und versenkte beide Triebwerke so, dass ein optimal niedriger Schwerpunkt erreicht wurde. Und eben die perfekte Gewichtsverteilung von 50 zu 50. „Das alles brachte natürlich ein enormes Gewicht in den Golf“, erklärt Jochi Kleint beim Rundgang um den restaurierten „Pikes Peak“-Golf. Aber durch den leichten Rohrrahmen sowie die Front- und Heckmasken aus Kunststoff ist das wunderbar kompensiert worden.
Los, Jochi, rein sitzen – das lässt sich Kleint nicht zweimal sagen: Flink und gelenkig gleitet der ehemalige Rallye-Europameister in den knallengen Sportsitz, der ihm auch im Alter von 70 Jahren noch wie angegossen passt. Kippschalter umgelegt, prüfender Blick auf die Anzeigen im kargen Renn-Dashboard, dann der Schlüsseldreh. „Brrrbabappabada-Braaaahhh!“, brüllt der offen gelegte Frontmotor des „Pikes Peak“-Golf. Als der Motorlärm erstirbt, steigt Jochi Kleint breit grinsend aus. Und auch, wenn es 1987 nur 200 Meter vorm Ziel aufgrund eines technischen Defekts nichts wurde mit Platz eins am Pikes Peak, haben sie die uneingeschränkte Sympathie des Publikums gewonnen. „Eine Revance wäre schön gewesen“, sagt Kleint. 2018 wird sdie Revanche umgesetzt: Am 24. Juni 2018 war Kleints Rennfahrer-Kollege Romain Dumas mit dem rein elektrischen Rennfahrzeug I.D. R Pikes Peak in Colorado Springs am Start. Das Ziel ist die Erprobung neuester Technologie für die Serie – und endlich ein Sieg beim „Race to the Clouds“.