Auf „Abnahmefahrt“ mit dem neuen Touareg

Schlechte Straßen, unwegsames Gelände, kaum jemand unterwegs. Die Gegend rund um das spanische Saragossa wirkt auf den ersten Blick nicht allzu einladend. Mit anderen Worten: Das perfekte Umfeld für ausgiebige Testfahrten in einem Auto, das noch geheim ist. Und das noch niemand fotografieren soll. Allzu viel Aufwand fürs Abkleben mussten die Ingenieure nicht betreiben. Unter der wenigen Tarnung lässt sich der neue Touareg also recht gut erkennen. In der Provinz Aragonien absolviert das SUV-Flaggschiff die letzten Testfahrten, im Fachjargon heißt das: Abnahmefahrt. In vier Monaten rollt die dritte Modell-Generation zu den deutschen Händlern. Anspruchsvoll ist das Terrain und vielseitig die äußeren Bedingungen: Auf den zahlreichen Kilometern, die die leitenden Ingenieure seit Wochen zurücklegen, finden sie viele Möglichkeiten, den neuen Touareg noch zu verfeinern und selbst kleinste Schwächen auszubügeln. Schon zuvor waren die Vorserienfahrzeuge in kalten und heißen Regionen unterwegs. Mehr als drei Millionen Kilometer werden sie am Ende absolviert haben. Dann ist das SUV bereit für die Kunden. Von den Qualitäten des neuen SUV ist man überzeugt. „Lass laufen, der kann das“, ermutigt Karsten Schebsdat, Leiter Fahrdynamik, vom Beifahrersitz aus den Testfahrer. Bei aller Sachlichkeit und ruhiger Ausstrahlung ist er erkennbar stolz auf das, was „sein“ Touareg leisten kann. Zum Beispiel, sich fast so handlich wie ein Golf durch enge Kurven lenken zu lassen. Unterwegs fordert Ingenieur Schebsdat den Fahrer immer wieder auf, die unterschiedlichen Fahrmodi auszuprobieren, um die enorme Spreizung des Fahrwerks zu erleben. Über holprige Abschnitte geht es mal im Komfort- und mal im Sportmodus. „Sie spüren nichts von der schlechten Straße, oder?“ Nein – das liegt auch an den neuen, verstellbaren Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse. Im Unterschied zu herkömmlichen Stahl-Stabilisatoren können die geteilten Stabilisa­toren aktiv verstellt oder auch entkoppelt werden und damit die Seitenneigung des Fahrzeugs fast auf null reduzieren. Zusätzlich verbessert dies den Fahrkomfort bei Geradeausfahrt.
Neben dem neuen Stabilisierungssystem ist erstmals auch eine Hinterachslenkung an Bord. Bei höherem Tempo verleiht sie dem Wagen in Kurven mehr Agilität und beim Geradeauslauf mehr Stabilität. Bei langsamerer Fahrt als 37 km/h schlagen die Hinterräder entgegengesetzt zu den Vorderrädern ein und erleichtern das Rangieren. Dass dadurch auch der Wendekreis im Vergleich zum Vorgänger von 12,2 Meter auf 11,1 Meter sinkt, mag hier in freier Wildbahn wenig ins Gewicht fallen. Die Touareg-Kunden werden den Fortschritt aber sicher beim ersten Parkhaus-Besuch spüren. 17 Wochen bleiben noch bis zur Markteinführung – genügend Zeit für letzte Feinjustierungen, die sich unter der spanischen Wintersonne nicht allein auf Fahrwerk und Lenkung beschränken. Vor allem der hohe Vernetzungsgrad stellt Tester und Entwickler immer wieder vor Herausforderungen. Jede Änderung kann Auswirkungen auf andere Systeme haben: Manches lässt sich per Software-Update in den Griff kriegen, doch das führt dann an anderen Stellen wieder zu Änderungsbedarf. Seit der ersten Erprobung wurden auf diese Weise Funktionen erprobt und etwaige Fehler abgestellt. Dieser Aufwand ist absolut notwendig: „Das Fahrzeug hat sich direkt ab Markteinführung im Jahr 2002 als Premium-SUV etabliert“, erläutert Jochen Brüning, Leiter der Modellreihe Touareg. Diese Stellung soll das neue Modell festigen – und ausbauen.