Motorsport – Mit eigenem Werksteam in die Formel E

 

Warum ist Porsche aus der LMP1-Klasse ausgestiegen und in die Formel E ein?

Wir haben uns entschlossen, unsere Motorsportstrategie neu zu ordnen – und an unserer Unternehmensstrategie auszurichten: Neben puristischen GT-Straßensportwagen sind hier auch vollelektrische Sportwagen fest verankert. Beides soll sich künftig auch in der Porsche Motorsportwelt wiederspiegeln. Sportwagen sind und bleiben zentral für Porsche. Und sie werden auf lange Sicht weiter mit Verbrennungsmotoren ausgestattet sein. Die E-Mobilität kommt als neues Großthema hinzu, Stichwort Mission E. In Zukunft splitten wir unser Engagement: Einerseits fahren wir mit den konventionell angetriebenen Produkten im GT- und Kundensport, zum anderen ziehen wir bei der Elektromobilität nach. Deshalb steigen wir im Jahr 2019 in die Formel E ein.  

Was ist die konkrete Motivation hinter dem Formel-E-Engagement?

Da wir mit einer eigenen Mannschaft in die Formel E gehen, die bei uns in Weissach sitzt, können wir auf Grund der Vielzahl an hoch interessanten technischen Themen in der Formel E zudem einen Mehrwert für die Entwicklung der zukünftigen elektrisch betriebenen Serienautos generieren.

Gibt es denn wirklich so viel Entwicklungsspielraum in der Formel E?

Die Serie entwickelt sich in eine interessante Richtung. Denken Sie beispielsweise an die Hinterachse mit der E-Maschine, die freigestellt ist, oder nehmen Sie den Inverter und das Batteriemanagement, wo es ebenfalls mehr Freiräume geben wird. Relativ kurzfristig soll in der Formel E eine bessere Batterie zum Einsatz kommen, damit entfallen die Fahrzeugwechsel während der Rennen. Darüber hinaus sind Leistungssteigerungen im Antrieb geplant. Brake-by-Wire folgt und einiges mehr. Wir haben die Roadmap auf technischer Seite gesehen. Das Reglement wird sich weiter öffnen und die vorgesehenen Entwicklungen sind sehr interessant.  

Sie erwarten also, dass sich die Formel E vom Marketing-Tool zu einer Technologie-Formel entwickelt?

Genau das ist unsere Erwartung. Für eine reine Marketing-Veranstaltung würden wir eine so weitreichende strategische Veränderung nicht vornehmen. Wenn die Formel E nur ein kurzfristiger Modetrend oder eine Eintagsfliege wäre, dann würden wir mit Sicherheit nicht einsteigen.

Haben Sie einen Startplatz in der Formel E? Die Plätze sind ja limitiert.

Porsche startet mit einem eigenen Werksteam, wir werden uns nicht irgendwo einkaufen. Das unterstreicht, wie ernst wir dieses Thema nehmen.  

Warum erfolgt der Einstieg erst in der sechsten Saison, also in zwei Jahren?

Das hängt unter anderem damit zusammen, wie das Reglement ausgeschrieben ist, also ab wann sie Fahrzeuge bekommen können, ab wann sie testen können und damit dann offizieller Teilnehmer der Veranstaltung werden können. Ein Einstieg in der Saison 2018/2019 wäre gar nicht möglich gewesen, weil wir dann zum Beispiel nicht mit einem eigenen E-Motor hätten antreten können. Daher war das keine Option.

Wie bewerten Sie die LMP1-Klasse in der Rückschau?

Die Sportwagen-WM hat mit der LMP1-Klasse ein revolutionäres Effizienz-Reglement aufgesetzt, das Maßstäbe gesetzt hat. Wir schätzen dieses Reglement sehr und waren in den letzten vier Jahren mit drei Le-Mans-Siegen und je zwei WM-Titel in der Team- und Fahrerwertung ja auch sehr erfolgreich. Fakt ist aber auch, dass sich Wettbewerber verabschiedet haben. Die aktuelle Situation mit nur noch zwei Teilnehmern in der LMP1-Klasse ist für uns nur mäßig interessant. Was die Zukunft der Klasse betrifft, so wurden Einschnitte vorgenommen, um Kosten zu sparen. So wird zum Beispiel die 10-MJ-Hybridklasse ausgesetzt. Das verstehen wir zwar, letztlich konnte man damit aber auch keine neuen Hersteller für das Thema begeistern.