Der Porsche Panamera 4 E-Hybrid verbindet Extreme auf sehr elegante Weise: Athletisch meistert er die Kurven der Nürburgring Nordschleife, ebenso wie die Autobahn-Kilometer zur Komfortzone werden lässt

Die Stadt bei Nacht ist eine andere Welt. Wo am Tag die Karawane der Automobile nur schrittweise vorankommt, fährt der Porsche Panamera durch die Kulisse aus Häusern und Licht. Als die weiße Sportlimousine die Autobahn verlässt, geht die Sonne hinter den Bergen der Schwäbischen Alb unter, leuchtend rot. Grün zeigen sich jene Bremssättel, die auf einen Plug-in-Hybrid hinweisen. Die gelassene Souveränität der Autobahnfahrt klingt nach. Der Panamera 4 E-Hybrid treibt, so sagt es die Ziffer in seinem Namen, alle vier Räder an. Neben den aus den konventionell angetriebenen Panamera-Varianten bekannten Fahrmodi „Sport“ und „Sport Plus“ unterstützen vier zusätzliche Modi das Vorwärtskommen: „E-Power“, „E-Charge“, „Hybrid Auto“ und „E-Hold“. Mit Letztgenanntem hat der Fahrer die Möglichkeit, den aktuellen Ladezustand beizubehalten, um zu einem späteren Zeitpunkt rein elektrisch zu fahren. Mit vollgeladenem Akku könnte der Porsche bis zu 50 Kilometer zurücklegen und dabei 140 km/h schnell sein – rein elektrisch.
Im Modus „Hybrid Auto“ wechselt er selbstständig zwischen den Antrieben des 2,9-Liter V6-Biturbo mit 330 PS und der 136 PS starken E-Maschine. Der Fahrer lässt die Limousine entscheiden. Ein leichter Druck auf das Bremspedal und das Bremssystem des Panamera entscheidet, jetzt für den Fahrer unmerklich, ob der Wagen durch Rekuperation abgestoppt werden kann. Reicht der Widerstand des nun als Generator arbeitenden E-Motors nicht aus, werden die großen Hochleistungsscheibenbremsen genutzt. Mit kühler Präzision nimmt der Panamera die Kurven der Landstraße in der Dämmerung. Und während seine LED-Scheinwerfer helle Sichtschneisen auf das Asphaltband projizieren, zieht ein zufriedenes Lächeln über das Gesicht des Fahrers. Auf der Autobahn wurde der V6-Biturbo bei entspanntem Reisetempo nur wenig gefordert und durfte im „E-Charge“-Modus die von einigen elektrischen Zwischensprints geforderte 14,1-kWh-Batterie des Panamera wieder laden. Das passiert, während der Panamera seinen Langstreckenkomfort ausspielt. Beim Bremsen und an Gefällstrecken lädt die Physik mit: Massenträgheit und Schwerkraft werden ausgenutzt und als neue elektrische Energie gespeichert. Mit dem Le-Mans-Sieger, dem 919 Hybrid, hat Porsche im Entwicklungszentrum Weissach vielseitige Hybrid-Erfahrungen gesammelt. Dieses Fachwissen wurde bei der Entwicklung des Panamera in die Serie übertragen. Am Nürburgring wird man „Sport Plus“ aktivieren, dem V6-Biturbo einen heißeren Motorsound zugestehen und an die Weltrekordfahrt des Panamera Turbo denken, der in nur 7:38 Minuten die Nordschleife des Nürburgrings bezwang. Die auf dem 12,3-Zoll-Touchdisplay angezeigte Zusatzenergie des Boost-Assistenten, der bereits im Porsche 918 Spyder zum Einsatz kommt und der dafür sorgt, dass E-Maschine und Verbrennungsmotor parallel ihre Arbeit verrichten, schaut sich der Fahrer trotzdem gerne an, bis er den Mode-Schalter erneut betätigt: „Hybrid Auto“. Souverän die Softskills aktivierend, mit der Gewissheit, dass diese Limousine jederzeit ein Sportwagen sein kann.
Kaum merklich springt der V6 an, schiebt muskulös die Steigung hinauf, stoppt dann und überlässt den 400 Newtonmetern des E-Motors die folgende Gerade. Der Hybrid-Assistent im Cockpit unterstützt mit visuellen Hinweisen das Dosieren der elektrischen Antriebsleistung. Beinahe schade, dass der Fahrer darüber hinaus so wenig von diesem Yin und Yang der Gegensätze mitbekommt, dem Zusammenspiel von Benzinmotor und E-Maschine. Während sich unter der Haube die präzise Choreografie aus Verbrenner und Elektromotor abspielt, gleitet der Panamera 4 E-Hybrid über die Straße. Ein Wechsel in den „E-Power“-Modus, der grundsätzlich nach dem Start des Motors aktiviert ist, lässt den 2,9-Liter V6-Biturbo verstummen. Nahezu geräuschlos gleitet der Panamera 4 E-Hybrid in Richtung dem Mekka der Sportwagenfahrer: Zuffenhausen. In der spiegelnden Fassade des Porsche Museums wird die Sport-Limousine zu einer fast schon künstlerischen Silhouette. Und ein technologisches Kunstwerk ist er ja – trägt jene Geschichte in die Zukunft, von denen die automobilen Meilensteine im Museum künden.