WLTP ermittelt das Fahrverhalten im Alltag noch neuen Richtlinien

Fakt ist, dass Angaben einerseits zum Verbrauch und andererseits der Reichweite bei Elektroautos auf Basis eines objektiven und reproduzierbaren Testverfahrens ermittelt werden sollen – und das unter genau definierten Laborbedingungen eine Vergleichbarkeit verschiedener Modelle schafft. Diesem Anspruch wird das bislang in Europa verwendete Verfahren NEFZ (Neuer Europäi­scher Fahrzyklus) nicht mehr gerecht – es war in den 90er-Jahren vorrangig für die Messung von Schadstoffemissionen als theoretische Messfahrt entwickelt worden. Das neue WLTP-Verfahren (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure) dagegen basiert auf empirisch erhobenen realen Fahrdaten von Routen in Asien, Europa und den USA und ist dadurch deutlich repräsentativer.

Hintergrund: Die Einhaltung von Abgasgrenzwerten ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass Typgenehmigungen für neue Fahrzeuge erteilt werden, in Deutschland ausschließlich vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Der Kraftstoffverbrauch stellt mit dem parallel dazu ermittelten CO2-Wert für den Kunden ein wesentliches Kriterium für die Kaufentscheidung dar, ist in vielen Ländern die Grundlage für die Kfz-Besteuerung und wird seit einigen Jahren auch für das staatliche Monitoring der klimaschädlichen CO2-Emissionen genutzt.

Gleiche Bedingungen für alle Anbieter herzustellen, ist Aufgabe des Gesetzgebers – er bestimmt die Spielregeln, die von allen Marktteilnehmern einzuhalten sind, damit Kunden Verbrauch und Emissionen unterschiedlicher Fahrzeuge vergleichen können. Um unter den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union einen freien Warenverkehr zu ermöglichen, werden die Regeln für Abgas- und Verbrauchsmessungen seit 1970 auf europäischer Ebene erstellt. EU-weit festgelegt sind sowohl der Testzyklus – also das zur Prüfung verwendete Fahrprofil – als auch die Rahmenbedingungen, unter denen die Tests durchgeführt werden.

Um für Verbraucher modernere, sprich realitätsnähere Verbrauchsangaben als bisher zu liefern, wurde im Auftrag des UN-Gremiums „World Forum for Harmonization of Vehicle Regulations“ das neue Testverfahren entwickelt, zentral darin ist der neue Fahrzyklus, WLTC abgekürzt (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Cycle). Er basiert erstmals auf realen Fahrdaten aus insgesamt drei Kontinenten (Asien, Europa, USA) und 12 Ländern. Die dafür notwendigen Messfahrten umfassten insgesamt 750.000 Kilometer, die in Metropolen von Schwellenländern wie Indien ebenso durchgeführt wurden wie auf Autobahnfahrten in Europa und den USA. In einem mehrjährigen Analyse- und Diskussionsprozess erstellte das UN-Forum aus dem Datenpool den neuen Fahrzyklus und entwickelte hierzu eine komplett neue Testprozedur, die „Worldwide Light-Duty Vehicles Test Procedure“ (WLTP), welche international Gültigkeit haben wird – mit geringen regionalen Anpassungen auf Grund verschiedener Klimazonen der UN-Mitgliedsstaaten. So hat zum Beispiel der europäische Gesetzgeber die vom UN-Gremium festgelegte Testtemperatur von 23 Grad Celsius ergänzt um einen Zusatztest bei 14 Grad Celsius, um die durchschnittliche Temperatur in Europa mit abzubilden.

In Europa ist WLTP seit dem 1. September 2017 die verpflichtende Grundlage für die Typgenehmigung neuer Pkw und leichter Nutzfahrzeuge. Ab dem 1. September 2018 müssen in Europa für alle neu zugelassenen Pkw und leichte Nutzfahrzeugmodelle im WLTP gemessene Abgas- und Verbrauchswerte vorliegen. Volkswagen bringt mit dem neuen up! GTI (115 PS/85 kW) das erste Modell auf den Markt, das nach dem neuen Prüfverfahren WLTP zugelassen wurde. Damit stehen neben den aktuell verpflichtenden Verbrauchsangaben nach NEFZ (Neuer Europäi­scher Fahrzyklus) zusätzlich die praxisnahen WLTP-Werte zur Verfügung. WLTP initiiert ein in vielen Teilen der Welt einheitliches Testverfahren zur Bestimmung des Kraftstoffverbrauchs und der Abgasemissionen. Für den up! GTI wurde ein WLTP-Verbrauch von kombiniert 5,7 bis 5,6 Liter/100 km ermittelt.