Sportlich und dazu elegant – Verführerisch, doch nicht für jeden zu haben: Der Opel GT

Stehen bei Opel die Zeichen auf GT? Was 1965 auf der IAA in Frankfurt mit der Studie Experimental GT begann, fand auf dem Genfer Automobilsalon 2016 mit dem GT Concept seine Fortsetzung. Die GT-Legende nimmt 1965 ihren Anfang: Erhard Schnell und das Advanced Design Team in Rüsselsheim hatten die Idee von einer puristischen Fahrmaschine, avantgardistisch gezeichnet und zugleich für jedermann erschwinglich. Mit dem Experimental GT gelang dem Chefdesigner und seiner jungen Mannschaft die Überraschung der damaligen Internationalen Automobilausstellung.

Der Zweisitzer sprengt mit seiner aufregenden Karosserielinie, dem flachen Bug mit Klappscheinwerfern, wuchtigen Radhäusern und scharfer Abrisskante am Heck den Rahmen des herkömmlichen europäischen Automobildesigns. Mit dem charakteristischen „Coke Bottle Shape“ aus formschönen Rundungen und schlanker Taille ähnelt sein Äußeres einer kleinen Corvette. Die Verantwortlichen weisen den Experimental-GT zunächst als Studie aus. Doch das Echo ist überwältigend: Von dem mutigen Design sind Presse und Besucher mehr als beeindruckt. Und so kommt es, dass sechs Jahre nach den ersten Designskizzen und nur drei Jahre nach der IAA der GT‑Prototyp auf der technischen Basis des Kadett B zum Serienauto reift.

Begleitet von dem legendären Werbeslogan „Nur Fliegen ist schöner“ ist das Sport-Coupé Opel GT vor 50 Jahren erstmals auf den Markt gerollt. Der Einstiegspreis für den sportlichen Zweisitzer mit flacher Schnauze und Klappscheinwerfern lag damals bei 10 767 D-Mark. Die Kundschaft konnte zwischen einem 1,1-Liter-Motor mit 60 PS und einem 90 PS starken 1,9-Liter-Triebwerk wählen. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 185 km/h. Bis zur Produktionseinstellung im Jahr 1973 wurden von 1968 rund 103 460 Einheiten gebaut – mehr als 80.000 Einheiten wurden in die USA exportiert. Technisch bediente man sich bei Opel aus dem großen Baukasten. Viele Teile des GT wurden vom Kadett B und Rekord C übernommen. Auch Teile des Fahrwerks und der Karosserie wurden aus dem Großserienregal entnommen. Das begründet auch den relativ günstigen Kaufpreis.

Zwei Motor-Varianten standen zur Wahl: Der 1,1-Liter mit 60 PS aus dem Kadett B und der 1,9-Liter mit 90 PS aus dem Rekord C. Der 1100er brachte es trotz der mäßigen Motorleistung immerhin auf etwa 160 km/h, der 1900er schaffte es auf 185 km/h – natürlich kein Rennwagen, aber für damalige Verhältnisse schon ganz beachtlich. Auch Teile des Fahrwerks und der Karosserie wurden aus dem Großserienregal entnommen. Im August 1970 wurde die Produktion des Opel GT 1100 eingestellt, von ihm wurden in der gesamten Produktionszeit nur 3573 Einheiten gebaut. Klar, dass heute ein Original-1100er GT eine absolute Rarität ist. Vom 1900er GT knapp 100.000 Einheiten produziert, darin enthalten sind auch die Opel GT/J, den 1100er-GT 1970 abgelöst hatte.

Zurück zum GT Concept, bei dem man nur wenige Elemente aus der Vergangenheit findet: Die lange Motorhaube, der Verzicht auf eine Kofferraumklappe, der zentral angeordnete Doppelauspuff und selbstverständlich der Name „GT“. Ansonsten zeigt sich der Opel GT Concept sehr eigenständig – keine Spur von Retrodesign. Mit der Sportwagen-Studie will der deutsche Hersteller direkt an die Philosophie des Experimental GT von 1965 anschließen – schreibt zugleich ein neues Kapitel GT-Geschichte.

Buch-Tipp: „GT Love“

Aufwendig, ausgiebig und gebührend feiern die Autoren Jens Cooper und Harald Hamprecht mit ihrem Buch den Geniestreich von Opel. 1968 kam er auf den Markt, der GT. Schon 1973 wurde die Produktion wieder eingestellt, nach 103.463 Exemplaren. Der Anfang und das Ende einer turbulenten Zeit. Selbst der Werbeslogan ist unsterblich geworden: Nur Fliegen ist schöner. Der Stoff, aus dem die Legenden sind. Hier erwacht sie noch einmal zum prallen Leben der großformatigen, üppig illustrierten 300 Seiten. Es echtes „must have“ für die Fans.

Jens Cooper / Harald Hamprecht
GT Love – 50 Jahre Opel GT
304 Seiten, 445 Farbfotos
49,90 Euro, Delius Klasing Verlag