Rennen der FIA Langstrecken-WM

Qualmende Reifen, stundenlange, kräftezehrende Kopf an Kopf Rennen und der Kampf um jede Millisekunde. Rennsport ist ganz großes Kino, doch nur selten denkt man daran, was abseits der Strecke geleistet werden muss, um die spektakulären Wettkämpfe zu ermöglichen. Wer im Motorsport ganz oben mitmischen will, der muss Rennstrecken überall auf der Welt nicht nur dominieren, sondern auch schnellstmöglich erreichen können. Das Werksteam von Porsche steht deswegen regelmäßig vor der logistischen Herausforderung bei Überseerennen der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft ihre zwei hochmodernen Porsche 919 Hybrid an den Veranstaltungsort zu transportieren.

Kein Wunder, schließlich müssen in einer Rennsaison 35 Tonnen Ausrüstung insgesamt 40.000 Kilometer zurückgelegt. Da Porsche 2014 erstmalig in der FIA Langstrecken Weltmeisterschaft teilnahm, musste ein perfekt ausgearbeitetes Logistiksystem entwickelt werden, was Kosten, Zeit und Platz beim Transport der Hightech-Sportwagen minimierte. Vor jedem Abflug wird die gesamte Porsche Fracht in 12 drei Tonnen schwere und 304×230 Zentimeter große Einheiten verpackt, die extra für das Transportvorhaben konstruiert wurden.
Die Container sparen durch ihre Aluminiumkonstruktion bis zu 120 Kilogramm pro Einheit im Vergleich zum handelsüblichen Container, der in der Formel 1 eingesetzt wird. Jede Einheit und jedes verpackte Teil ist mit einem QR-Code ausgestattet. Damit weder das Team, noch die jeweilige Zollbehörde bei einer Masse von 120 Funkgeräten, 100 Felgen und unzähligen Kleinteilen die Übersicht über das Material verliert. Falls der Zoll doch einen Blick auf die Fracht werfen will, sind alle Teile schnell eingeräumt – auch ein zeitlicher Puffer wird vor jeder Reise fest in den Tagesablauf eingeplant. Um das Gewicht zu sparen wird nur das nötigste an Material mitgenommen. Für die Rennen in Austin/USA, Tokio/Japan, Shanghai/China, Manama/Mittlerer Osten und Sao Paulo/Brasilien gecharterte Boeing 747 wurde am 11. September in Frankfurt-Hahn zusammen mit dem Equipment anderer WEC-Teams beladen.
Dies war schon eine logistische Herausforderung, schließlich müssen die schweren Einheiten rechtzeitig in der Boxengasse bereitstehen, ebenso wie auf der Rennstrecke zählt bei der Vorbereitung auf den Wettkampf jede Sekunde. Die beiden Porsche 919 Hybrid mussten für den Transport auf extra Car Racks gespannt werden. Für einen reibungslosen Transport wurden dabei alle Flüssigkeiten der Wagen abgelassen und empfindliche Karosserieteile, wie Außenspiegel und Flügel in anderen Einheiten sicher verstaut. Durch den Hybridantrieb ergaben sich automatisch weitere Probleme beim Transport.
Leime, Harze und vor allem die Lithium-Ionen Batterien sind als Gefahrengut ausgeschrieben und müssen deshalb extra reisen. Die Prototypen-Batterien der beiden umweltfreundlichen Kraftpakete werden besonders kontrolliert: Sie brauchen von den Luftfahrtbundesämtern der verschiedenen Staaten eine extra Genehmigung. Trotz seiner inzwischen beachtlichen Hybrid-Erfahrung sind die Hürden für das Rennteam deshalb mit massiven Zeitkosten verbunden. Dagegen werden Kraftstoffe und Reifen direkt an die jeweilige Rennstrecke geliefert. So ermöglicht das gut durchdachte Transportsystem des Porsche Teams einen reibungslosen Reiseablauf, damit sich die Fahrer voll auf das Geschehen auf der Rennstrecken konzentrieren können.