Daniel Brüh wurde als Sohn einer spanischen Lehrerin und des deutschen TV-Regisseurs Hanno Brühl am 16. Juni 1978 in Barcelona geboren. International bekannt wurde Brühl 2003 durch die Hauptrolle in Goodbye Lenin!, für die er zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Für seine Rolle als Niki Lauda in Rush wurde er für die Golden Globe Awards 2014 nominiert.

 

Daniel, du hast in dem Trickfilm Cars Lightning Mc Queen deine Stimme geliehen und bist als Niki Lauda für Rush in die Rennkombi geschlüpft. Das Genre scheint dir zu gefallen. Werden wir dich bald in weiteren rasanten Rollen sehen?

Rush war eine großartige Erfahrung. Der Film ist genauso geworden, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Es wäre schwierig, das zu toppen. Aber grundsätzlich macht das Thema Auto immer Spaß. Und ich werde bestimmt noch Filme mit Verfolgungsjagden im Auto machen. Eine weitere Rennfahrerrolle sehe ich eher nicht.

Bist du zur Vorbereitung selbst mal in einem Rennwagen über den Racetrack gejagt?

Mein Filmpartner Chris Hemsworth (James Hunt) und ich haben mit Formel-3-Autos trainiert. Mit den originalen Formel-1-Rennwagen, die wir am Set hatten, durften wir leider nicht fahren. Das durften noch nicht mal die Stuntfahrer. Die Besitzer der Autos hatten eine Riesenangst – aber mehr um ihre Autos als um Chris und mich (lacht).

Auf welchen Strecken warst Du unterwegs?

Lange vor dem Dreh habe ich in Barcelona erste Erfahrungen mit einem Formel-3-Auto gemacht. Später war ich mit Chris in England unterwegs. Mein persönlicher Coach war Niki Falkner. Sein Vater war ein großer Lauda-Fan und taufte gleich einen Sohn nach ihm. Das Training hat großen Spaß gemacht, weil das mit normalem Autofahren so gar nichts mehr zu tun hat. Trotzdem war das alles noch weit entfernt von den Herausforderungen in der Formel 1. Nach dieser faszinierenden Erfahrung verstehe ich, warum jemand Rennfahrer werden will.

Du hast dich ein paarmal mit Niki Lauda getroffen, wie war dein Verhältnis zu ihm?

Niki ist ein super Typ, mit diesem speziellen österreichischen Humor. Er hat mir gleich gesagt: Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst. Wir schreiben uns heute noch regelmäßig SMS. Er hat mich nach dem Dreh gefragt, ob ich in seinem privaten Learjet mit zum Formel-1-Rennen nach Brasilien fliegen will. Da musste ich nicht lange überlegen. Ich saß neben Niki im Cockpit – es war eine tolle Erfahrung, in einer so kleinen Maschine über den Atlantik zu fliegen, mit dem ehemaligen Formel-1-Champ am Steuer.

Seit gut einem Jahr bekommst du immer mehr Angebote aus Hollywood. War Rush der Turbo für deine Karriere?

Man kann so etwas wirklich nicht planen. Es waren einzelne Filme, die mich Schritt für Schritt weitergebracht haben. Die Zusammenarbeit mit Quentin Tarantino hat dazu beigetragen, dass ich für Rush gecastet wurde. Rush-Regisseur Ron Howard hatte mich in Inglourious Basterds gesehen und dann für die Rolle als Niki Lauda vorsprechen lassen. Rush hatte dann einen Dominoeffekt für meine Karriere. Und wenn sich Chancen ergeben, muss man sie nutzen.

Du bist halb Deutscher und halb Spanier. Was unterscheidet beide Nationalitäten?

Genau genommen bin ich halber Katalane. Die Katalanen werden die Deutschen Spaniens genannt, weil sie ihnen ähnlicher sind als ihren Landsleuten aus anderen Provinzen. Aber insgesamt sind die Spanier schon etwas temperamentvoller als die Deutschen. Das hat etwas mit dem Wetter zu tun, aber auch mit der Kultur. Meist stelle ich bei den Spaniern eine größere Leichtigkeit und Lebensfreude fest. Ich selbst bin irgendwo dazwischen, ich fühle mich weder besonders deutsch, noch besonders spanisch.

Du betreibst seit vier Jahren die Tapasbar Raval in Berlin Kreuzberg. Hast Du Dir damit ein Stück Barcelona nach Berlin geholt?

Das war genau der Grund, warum mein Freund und ich eine Bar in Berlin aufmachen wollten. Wir wollten die Tapaskultur, die wir von Kindheit an kennen, nach Berlin bringen und den Berlinern damit Spanien etwas näherbringen. Es gab zwar bereits einige Tapasbars in der Hauptstadt, aber wir wollten auf unserer Speisekarte die komplette Bandbreite anbieten.

Gab es für Dich jemals eine Alternative zum Schauspielberuf?

Nicht so richtig. Als Kind und Jugendlicher war es erst ein Hobby, das aber viel Zeit eingenommen hat. Mit 15 oder 16 war dann der klare Wunsch da, Schauspieler zu werden, und ich habe die Sache ernsthafter verfolgt. Als Kind wollte ich, wie wohl jeder zweite Junge, Fußballprofi und mit 13 Journalist werden, ohne zu wissen, was das bedeutet – wohl mehr, weil ich das Wort so spannend fand.